Zu seinem 95. Geburtstag fordert Helmut Schmidt die Bundesregierung auf, die deutschen Rüstungsexporte zu stoppen: "Es ist an der Zeit, Einspruch zu erheben", schreibt der Altkanzler in der ZEIT. Deutschland sei heute der drittgrößte Waffenexporteur und rangiere damit vor China, vor Japan, vor Frankreich und vor England, direkt hinter den USA und Russland. "Eine Entwicklung, die mir sehr missfällt. Und die von der kommenden Koalition in Berlin gestoppt werden muss."

Deutsche Waffenexporte - "Waffenkontrolle findet nur auf dem Papier statt" Das Schnellfeuergewehr G36 ist eine hochmoderne und profitable Waffe. Hersteller Heckler & Koch darf es nur mit Genehmigung der Regierung ins Ausland verkaufen. Trotzdem taucht es immer wieder in Krisengebieten auf.

Kleinwaffen, handgehaltene Maschinenpistolen und –gewehre sowie Handgranaten, seien die "Massenvernichtungsmittel der heutigen Zeit", so Schmidt. Er habe Verständnis für die Begünstigung der Waffenexporte durch das Wirtschaftsministerium, halte es aber für geboten, "dass das Auswärtige Amt die Federführung übernimmt und das Wirtschaftsministerium sie abgibt". Schließlich seien Waffenexporte in Wirklichkeit Außenpolitik.


Die Tendenz der Bundesregierung, lieber Waffen zu liefern als Soldaten zu schicken, kann Schmidt nicht unterstützen. Er habe Verständnis für "die Unlust der heutigen Deutschen", Soldaten in fremde Länder zu schicken. "Wir haben in Wirklichkeit niemandem genützt dadurch, dass wir unsere Soldaten nach Afghanistan geschickt und dann dort auch Soldaten verloren haben", so Schmidt: "Aber ich halte es für abwegig, statt Soldaten Waffen zu schicken."