Der Wirtschaft hat die Politik im Koalitionsvertrag eine Frauenquote verordnet. Ab 2016 sollen Aufsichtsräte zu 30 Prozent mit Frauen besetzt sein. Und wie hält es die Regierung selbst? Im vergangenen Kabinett wurde dieses Ziel sogar übertroffen. Sechs von 16 Posten wurden von Frauen besetzt, das ergibt eine Quote von 37,5 Prozent. Und in Zukunft? Bislang kennen angeblich nur die großen Drei – also Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer – den Zuschnitt des Kabinetts. Ob sie sich auch auf Namen festgelegt haben, ist unklar.

Allerdings zeichnet sich schon jetzt ab, dass vor allem die CSU, was die Besetzung von Ministerposten mit Frauen angeht, ziemlich alt aussehen dürfte. Stimmen die Gerüchte, dann wird ihre Quote schlicht bei null liegen. Denn für die drei Ressorts, die der CSU voraussichtlich zustehen, sind bislang nur Männer im Gespräch.

Als gesetzt gilt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Mit der gleichen Sicherheit hat CSU-Chef Horst Seehofer dies für die amtierenden Minister Hans-Peter Friedrich und Peter Ramsauer zwar nicht zugesagt. In der Partei herrscht dennoch die Meinung vor, dass beide bleiben werden. Schließlich habe Seehofer bei der Besetzung seines Kabinetts in Bayern ebenfalls an höchst umstrittenen Ministern festgehalten.

Zwei SPD-Frauen gelten als sicher gesetzt

Seehofer selbst hat bereits deutlich gemacht, dass er kein Problem damit hätte, nur Männer ins Kabinett zu entsenden. In der CSU sei man bei der Frauenförderung mittlerweile so weit, dass man eine Quote für Ministerposten nicht nötig habe, ließ Seehofer am Rande des CSU-Parteitags wissen.  

Ganz anders bei der SPD: Für die hat Parteichef Sigmar Gabriel unlängst erklärt, dass 50 Prozent der Ämter, die an die Sozialdemokraten fallen, mit Frauen besetzt werden sollen. Alles andere wäre Partei und Fraktion wohl auch schwer zu verkaufen gewesen. 

Nachdem die SPD bei der letzten Bundestagswahl vor allem bei den Wählerinnen schlecht abgeschnitten hatte, gab es aus der Partei massive Kritik an der männlich dominierten Führungsriege. Tatsächlich waren bei den Sozialdemokraten in der vergangenen Legislaturperiode drei Ämter, die besonders viel öffentliche Aufmerksamkeit einbringen, nämlich Parteivorsitz, Fraktionsvorsitz und die Funktion des Parlamentarischen Geschäftsführers, fest in männlicher Hand.

Zwei Frauen gelten als ziemlich sicher gesetzt: Die bisherige Sozialministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, gibt bereits Pressekonferenzen, auf denen sie über die Familienpolitik der Großen Koalition referiert, als könne es morgen losgehen. Und auch Generalsekretärin Andrea Nahles hat wohl gute Chancen – wenn sie nicht lieber Fraktionsvorsitzende wird.

Großes Rätselraten gibt es darum, wer die dritte im Bunde sein könnte. Immer wieder genannt wird der Name von SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks. Ihr werden gar Ambitionen auf das Finanzministerium nachgesagt. Allerdings soll ihr Verhältnis zu Gabriel nicht wirklich gut sein. Als weitere mögliche Kandidatin gilt die frühere Justizministerin Brigitte Zypries. Sie könnte in dieses Amt zurückkehren, für das sich allerdings auch ihr Parteikollege Thomas Oppermann interessieren soll. Im Kompetenzteam von Peer Steinbrück mit dabei war zudem die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Sie könnte Entwicklungsministerin werden.