In seiner Antrittsrede als FDP-Chef hat Christian Lindner die Ausspähungen durch US-Geheimdienste scharf kritisiert. Die Gefahr der Überwachung stehe der Bedrohung durch Terrorismus in nichts nach, sagte er.

Lindner kündigte an, er wolle die FDP als Partei eines "im besten Wortsinne Individualismus" positionieren. "Im Zentrum unserer Idee steht nicht der Staat oder eine abstrakte Idee oder soziale Klassen, im Zentrum steht der einzelne Mensch." Der müsse die Hoheit über seinen Lebenslauf behalten.

Entsprechend kritisierte Lindner das Ziel eines Abiturs für alle. "Mir ist ein glücklicher Facharbeiter lieber wie ein unglücklicher Professor Bernd Lucke." Damit griff Lindner zugleich indirekt die Euro-kritische Partei Alternative für Deutschland an, deren Vorsitzender Lucke ist.

Aus diesem Grund werde die FDP "für die soziale Marktwirtschaft, für den Rechtsstaat und für die bürgerliche Gesellschaft" kämpfen. Das sei die "Freiheitsordnung", in der sich der Einzelne am besten entfalten könne.

Zudem attackierte Lindner die geplante Große Koalition. Union und SPD planten eine Bevormundung und Belastung der Bürger, sagte er. Der Koalitionsvertrag sei eine Agenda des Rückschritts: "Die große Koalition ist in der Defensive erstarrt", sagte er.

Die von Schwarz-Rot verweigerte, gesetzlich vorgeschriebene Senkung der Rentenbeiträge sei höchst fragwürdig. "Die Rentenversicherungsbeiträge zahlen keine Millionäre, sondern Facharbeiter und Kindergärtnerinnen. Ich nenne das eine Form der Enteignung."

Hart ging er auch mit seiner früheren Regierungspartnerin, der Union, ins Gericht. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hielt Lindner vor, in der Steuerpolitik ihr Wort zu brechen. Zweimal habe Merkel den Wählern die Abmilderung der sogenannten Kalten Progression versprochen. "Das ist die erste, heimliche Steuererhöhung der großen Koalition – nämlich durch Unterlassung", sagte Lindner.

Unsere Politik-Redakteurin Lisa Caspari twittert vom FDP-Parteitag in Berlin.