Am frühen Nachmittag wird die Besetzung des künftigen Kabinetts der neuen schwarz-roten Bundesregierung offiziell verkündet. Die wichtigsten Personalien sickerten jedoch bereits durch: Die größte Überraschung dürfte sein, dass Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die erste Verteidigungsministerin der Bundesrepublik werden soll. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wird Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Nachdem mehrere Medien von dem neuen Internetminister berichtet hatten, bestätigten Parteikreise am Samstagabend die Personalie.

Der bisherige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wird offenbar entgegen ersten Meldungen nicht ins Landwirtschaftsministerium wechseln, sondern aus dem Kabinett ausscheiden. Das berichtet die Bild am Sonntag. Der bisherige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) soll demnach das Agrarministerium übernehmen – jedoch ohne die Zuständigkeit für Verbraucherschutz. Zuvor hatte sich für Friedrich das Entwicklungshilfeministerium abgezeichnet. Die bisherige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) wird nach Informationen der Berliner Morgenpost neue Kulturstaatsministerin. 

Bereits am Freitag wurde Frank Walter Steinmeier für das Auswärtige Amt gehandelt. Sigmar Gabriel wird in der neuen Koalition der neue Vizekanzler und Superminister eines neu zugeschnittenen Ressorts für Wirtschaft und Energie. Schatzmeisterin Barbara Hendricks soll das Umweltministerium erhalten, Generalsekretärin Andrea Nahles Arbeit/Soziales, SPD-Vize Manuela Schwesig Familie und der saarländische Wirtschaftsminister Heiko Maas das Justizministerium.

Bisher wurden insbesondere der bisherige Umweltminister Peter Altmaier (CDU) als Kanzleramtschef gehandelt und Hermann Gröhe (CDU) für das Gesundheitsministerium. Wolfgang Schäuble (CDU) gilt für das Finanzministerium als gesetzt. Thomas de Maizière (CDU) wollte gern Verteidigungsminister bleiben, muss aber wohl wieder ins Innenministerium zurückzukehren, das er bereits von Oktober 2009 bis März 2011 leitete.

Neben von der Leyen und Dobrindt ist eine weitere große Überraschung im neuen Kabinett, dass Merkels enger Vertrauter Ronald Pofalla von Bord geht. In der Union war fest damit gerechnet worden, dass der Kanzleramtsminister ein Ministerium übernimmt. Die CDU stellt neben der Kanzlerin den Kanzleramtsminister und besetzt fünf Ministerien, die SPD bekommt sechs Ressorts in der künftigen Bundesregierung und die CSU drei.

CDU, CSU und SPD wollen am Sonntagmittag offiziell die Besetzungen für die einzelnen Ministerien bekannt geben. Die SPD will dies um 13 Uhr nach einer Vorstandssitzung tun, CDU und CSU um 18.15 Uhr nach Sitzungen des CDU-Präsidiums in Berlin und des CSU-Vorstandes in München.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoğuz wird neue Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration. Damit wird erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau mit türkischen Wurzeln am Kabinettstisch sitzen. Die 46 Jahre alte Hamburgerin ist seit 2009 Bundestagsabgeordnete und seit 2011 stellvertretende SPD-Vorsitzende.

Knapp drei Monate nach der Bundestagswahl wurde am heutigen Samstag das offizielle Ergebnis des SPD-Mitgliederentscheids über die Große Koalition mit CDU/CSU bekannt gegeben. Mit der deutlichen Mehrheit von 75,96 Prozent stimmten die SPD-Mitglieder dem Koalitionsvertrag zu. SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach bei der Verkündung des Ergebnisses in Berlin von einem "Fest der innerparteilichen Demokratie".