Die neue Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat einem Zeitungsbericht zufolge zugesichert, dass der Mindestlohn spätestens 2017 bundesweit gilt. "Ohne gesetzlichen Mindestlohn gäbe es keine Große Koalition. Deshalb kann ich garantieren: Ab 1. Januar 2017 wird niemand in Deutschland weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienen", sagte Nahles der Bild

Forderungen der Union, Ausnahmen für den Mindestlohn zu definieren, wies sie zurück. "Ausnahmen wird es nicht geben – trotz aller Fluchtphantasien in Teilen der Union", sagte Nahles.

Ilse Aigner (CSU) hatte noch während der Koalitionsverhandlungen gefordert, Schüler, Studenten und Rentner sowie Ehrenamtliche von den Regelungen zum Mindestlohn auszuklammern. Anders sei die Situation, wenn ein junger Mensch nach seinem Studium mit Praktika abgespeist werde. "Mit abgeschlossenem Studium ist ein Mindestlohn gerechtfertigt, auch wenn es sich formal um ein Praktikum handeln sollte", sagte Aigner.

Nahles forderte in der Bild zudem eine neue Arbeitskultur in Unternehmen. "Wir müssen Vollzeit neu definieren. Mit dem Anwesenheitswahn muss Schluss sein, denn Familien brauchen auch Zeit", sagte sie. Sie wünsche sich eine große gesellschaftliche Debatte über das Thema. "Und dann auch konkrete Erfolge." Wenn in Betrieben stärker teamorientiert gearbeitet werde, könne man sich selbst in Spitzenjobs gegenseitig vertreten, sagte die erst am Dienstag vereidigte Ministerin. "Dann ist es möglich, dass Papa oder Mama auch mal nachmittags nach Hause gehen, wenn sie das Krippenspiel ihres Kindes anschauen wollen."

Doch die Umsetzung des Mindestlohns ist nicht das Erste, was die neue Arbeitsministerin umsetzen will. Sie kümmert sich zunächst um die Rente: "Am 1. Juli 2014 wird ein großer Teil derer, die ihr Leben lang hart geschuftet haben, im Alter von 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können", sagte Nahles.