In der SPD herrscht auch am Donnerstag noch Rätselraten darüber, wer hinter dem ominösen Drohanruf steckt, mit dem ein bekennender Gegner der Großen Koalition traktiert wurde. Allerdings könne man mittlerweile mit Sicherheit sagen, dass es keinen Angriff auf die Telefonanlage der SPD von außen gegeben habe, sagte eine Sprecherin ZEIT ONLINE. 

Dass ein Mitarbeiter der SPD-Parteizentrale hinter dem Anruf stecke, schließe man aus. Es sei aber technisch möglich, eine Rufnummer zu imitieren. Der 25-jährige SPD-Ortsvorstand von Bruchsal, Fabian Verch, hatte auf seinem Display die Nummer des SPD-Bürgerservice gesehen. "Dies ist eine unserer am häufigsten veröffentlichten Nummern, die steht auf jedem Flyer", so die Sprecherin.  Man könne vom Willy-Brandt-Haus aus aber nicht mit dieser Nummer irgendwo anrufen.

Ein Mann, der sich Michael Wiegand nannte, hatte Verch angerufen und ihm gedroht, wenn er nicht für die Große Koalition stimme, werde er in der SPD keine Karriere machen. Generalsekretärin Andrea Nahles hatte bereits am Mittwoch erklärt, dieser Anruf sei keinesfalls von ihrem Büro ausgegangen.  "Ich bin genauso entsetzt wie Du", schrieb sie dem Betroffenen. Am Donnerstag stellte die SPD-Führung Strafanzeige gegen Unbekannt. Die Behörden würden jetzt ermitteln, hieß es. 

In der SPD-Zentrale ist bisher nur ein einziger derartiger Anruf bekannt. Zunächst hatte es so ausgesehen, als hätte es mehrere davon gegeben. "Wenn es noch mehr Betroffene gäbe, hätten die sich vermutlich schon gemeldet", so die Sprecherin.

Im Netz tauchte unterdessen auf der Satire-Seite der Hedonistischen Internationalen ein anonymes Bekennerschreiben auf, in dem sich ein "Kommando Gerhard Schröder" zu der Aktion bekannte. "Wir haben am vergangenen Dienstag bei mehr als 100 SPD-Mitgliedern und Funktionären angerufen, die als Gegner der Großen Koalition bekannt sind. Wir haben ihnen in aller Deutlichkeit nahegelegt, beim Mitgliederentscheid mit einem 'Ja' zu stimmen", heißt es dort.

Aktivisten, die unter dem Label "Hedonistische Internationale" auftreten, haben schon öfter mit ihren Späßen für Verwirrung gesorgt.  So zum Beispiel, als im September "falsche" FDP-Mitglieder vor der Grünen-Zentrale für die "Freiheit der Kantinen" demonstrierten.  

Ob sie wirklich auch hinter dem Drohanruf mit SPD-Nummer stecken, ist freilich völlig offen. 100 Anrufe dürfte es jedenfalls nicht gegeben haben. Das wäre der SPD-Zentrale wohl nicht verborgen geblieben. 

Den ersten Hinweis auf die Aktion erhielt ZEIT ONLINE zudem bereits vor drei Tagen. Auch das passt nicht exakt mit dem "Bekennerschreiben" der Hedonistischen Internationale zusammen, die die SPD-Abweichler am Dienstag angerufen haben will.