Ursula von der LeyenIm Sopran lässt sie die Männer strammstehen

Wenn eine Frau das Verteidigungsministerium übernimmt, sind sexistische Kommentare programmiert. Leider lassen sich auch Journalisten davon inspirieren. von 

Tatsächlich, eine Frau! Sie wird oberste Dienstherrin des Militärs. Ursula von der Leyens Kür zur Verteidigungsministerin ist die bemerkenswerteste Personalie der Großen Koalition. Eben weil sie die erste ist, die das Männerressort übernimmt. Bis hierhin sind sich alle einig.

Dass die Nominierung die ewigen Chauvis und Zweifler auf den Plan ruft, die nun weiter den Untergang der Männlichkeit herbeischwafeln können: Man hatte es erwarten können. Idioten gibt es immer.  

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"Weiberplage. Interessensgemeinschaft der von Frauen belästigten Männer" – auf dieser Homepage fand ich mich  beispielsweise zuletzt verewigt. Dort hatte ein Mann - etwas umständlich - ausgeführt: "Ich frage mich, wieweit muss eine Gesellschaft heruntergekommen sein, damit man seiner Bevölkerung einreden kann, dass das Glück auf der Erde am besten in den Händen junger Frauen aufgehoben wäre?".  Grund der Aufregung: Mein Artikel  über die misslungene Frauenförderung in der FDP.

Eklig klingt es nur bei den Männern

Ursula von der Leyen, Erfinderin des Elterngeldes, Karrierefrau und gewiss eine  "Rabenmutter" für ihre sieben vernachlässigten Kinder, hat da sicher einige drastischere Beispiele parat. Unbeirrte Geister, die in Internetforen über Frauen abkotzen, sie bleiben die traurige Begleiterscheinung der Emanzipation. Man sollte sie belächeln oder ignorieren. Gottseidank handelt es sich um eine Minderheit.

Hoffentlich handelt es sich um eine Minderheit! 

Lisa Caspari
Lisa Caspari

Lisa Caspari ist Redakteurin im Ressort Politik bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.


Leider aber hat die Personalie von der Leyen in den vergangenen Stunden auch die  Journalisten zu schiefen Bildern inspiriert. "Die Truppe hört jetzt auf Kommandos im Sopran", titelte Welt Online. "Dass von der Leyen Spaß daran hätte, einen General vor sich strammstehen zu sehen, kann man sich vorstellen", kokettierte die FAZ:  Und die ARD-Sendung Bericht aus Berlin  twitterte eine Fotomontage von der Leyen im Lara-Croft-Outfit. "Mutter der Kompanie" (Süddeutsche und Spiegel) war da noch der harmloseste Ausdruck, was ihn nicht origineller macht.

Man stelle sich nur vor, Thomas de Maizière wäre Verteidigungsminister geblieben. Wäre er dann der "Vater der Kompanie" gewesen,  würde er die Armee weiter "im Bariton" befehligen?

"Dass de Maizière Spaß daran hätte, eine Frau General vor sich strammstehen zu sehen, kann man sich vorstellen" – so ein Satz hätte sicher nie den Weg in einen Zeitungsartikel gefunden. Zu eklig. 

Und Sopran – waren das nicht die schrill singenden Weiber aus dem Chor?

Jedenfalls legt die Überschrift nahe, dass da jemand ziemlich – unangenehm? – hoch spricht. Tatsächlich stammt das Wort vom Generalinspekteur der Bundeswehr. Er wünscht sich künftig andere Stimmlagen im Militär – mit diesem absurden Bild umschreibt er die Frauenförderung. Seine persönliche Erfahrung, sagte Volker Wieker, habe ihn gelehrt, dass Frauen häufig auf gewaltsame Konflikte und deren Wege zur Befriedung "eine ganz eigene Perspektive" entwickelten.

Ach ja. Warum wird eigentlich immer mit Klischees gespielt, in Klischees gedacht, wenn Frauen Führungsaufgaben übernehmen? 

Ich ahne übrigens schon, was nach Veröffentlichung dieses Artikels passiert. Gleich werden wieder die kommen, die finden, dass junge Frauen immer, überall und zu schnell Sexismus wittern. "Du solltest diesen harmlosen Scherz nicht so eng sehen", antwortete mir jedenfalls ein wohlmeinender Herr auf meine Twitter-Klage über den Sopran.

Ich kenne diesen Mann nicht. Das mit dem Siezen erschien ihm im Eifer seines väterlichen Rats offenbar abwegig.

Harmlos ist das natürlich im Vergleich zu denen, die sich an der eigenen Frauenfeindlichkeit ergötzen. Daher zum Abschluss, weil es einfach schrecklich ist: The European schreibt über von der Leyen: "Ein Kind mehr, und sie hätte sich in düstereren deutschen Zeiten das Mutterkreuz der ersten Stufe in Gold verdient. Und sie hätte es zu jedem Anlass getragen, da bin ich völlig sicher."


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Leserkommentare
    • xila
    • 16. Dezember 2013 16:22 Uhr

    "Ursula von der Leyen, Erfinderin des Elterngeldes, Karrierefrau und gewiss eine typische "Rabenmutter" von sieben bestimmt vernachlässigten Kindern"

    ... verantwortlich für die Anhebung des Maximalbetrags für Minijobs auf 450 Euro, auf daß möglichst viele junge Muttis sich auf die scheinbar so einleuchtende Rechnung einlassen, daß sie für halbtags netto ja auch nicht mehr rausbekommen würden ... was sie im Scheidungsfalle oder spätestens beim Rentenantrag sehr bereuen werden.

    20 Leserempfehlungen
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    Das sie eine Frau ist sollte niemanden dazu verleiten zu sagen das sie den job nicht übernehmen könnte.

    Auch ist der Arbeitseinsats den sie als Familienministerin mit ihrenarbeitszeiten gezeigt hat beispielhaft.

    Auch ihre Bescheidenheit auch als Ministerin in einen kleinen Zimmer in der Nähe des Schreibtisches zu schlafen wenn die Dinge stressigwurden und nicht erst lange in hotels der nach Hause zu fahren spricht eher für sie.

    Nur hätte sie doch ander Entscheidungen getroffen. Man traut ihr den Job eher wegen ihre Entscheidungen in der vergangenheit grad bei den Elterngeld nicht zu, da si zu sehr von Politischen Ströhmungen geprägt waren ind nicht gnug von der Realität.

    Aber ich hoffe mal das sie beweist das sie nun in einen andere Ministerium wo mehr Realitätssinn gebraucht wird diesen auch in ihre entscheidungen einflissen öassen wird.

    • kimiko
    • 16. Dezember 2013 16:22 Uhr

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Manchmal sind die Kommentare hier zum Thema Frauen unterstes Niveau und schwer zu ertragen. Ich denke jedoch, dass es sich um eine lautstarke Minderheit handelt. Die Männer in meinem Bekanntenkreis möchten Frauen gleichberechtigt und auf Augehöhe begegnen.

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    • Mike M.
    • 16. Dezember 2013 17:37 Uhr

    ... Frau v.d. Leyen würde sich um Kitas für Soldatinnen kümmern, ist das m.E. auch sexistisch. Sie wird sich um die Bundeswehr und die Landesverteidigung in voller Breite kümmern müssen.

    Spannend wird allerdings, wie sie es mit der Frauenquote im Generalstab halten wird. Man hat sie ja vor allem noch für ihr Eintreten für die Frauenquote in Wirtschaftsunternehmen (negativ) in Erinnerung. Vernünftige Argumente, dass es vielleicht nicht genug Frauen mit entsprechender Eignung und entsprechendem Willen, einen solchen Posten anzunehmen, gibt, zählten da ja nicht. Auch im Öffentlichen Dienst, wenn es z.B. um die Besetzung einer Ingenieursstelle geht, sind quotenbefürwortenden Politiker (m/w) völlig schmerzfrei. Dann sollen die Verantwortlichen eben schauen, wie sie ihre Quoten erfüllen. Mal schauen, wie das bei der Bundeswehr funktionieren soll.

    • gricket
    • 16. Dezember 2013 19:12 Uhr

    das sind die Hauptfeldwebel.

    Hätte es die sexistische Wehrpflicht auch für Frauen gegeben, wüssten die Frauen hier das auch.

    Auf sexistische Artikel kommen ebensolche Kommentare, das ist doch klar.

  1. Ich habe keine Ahnung aber das macht doch nichts,sagt sie so verstehe ich es. Bin froh das ich nicht zu so einer Arme gehöre

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    jeder muss seine Posten bekommen wenn er Mutti-hoerig ist, Kompetenz
    ist der "Regierung" vorerst egal !

    Mein Sohn wollte sich bei der Bundeswehr nochmal verpflichten. Hat mich das eine Überredungskraft gekostet, ihn davon abzubringen. In der freien Wirtschaft würde Frau von der Leyen als ungelernt angesehen werden und hätte kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz, aber als Verteidigungsministerin kann sie natürlich alles entscheiden. Mehr Auslandseinsätze deutscher Soldaten, währenddessen sie mit ihrem Hintern im Warmen bei ihrer Familie sitzt und ihren Wohlstand geniesst.

    • Case793
    • 16. Dezember 2013 16:23 Uhr

    ist wirklich nicht schön. Da wir sie auch schon mal in vorauseilendem Gehorsam zur möglichen Kanzlerkanditatin hochgejubelt. Weil Frau Merkel ja spätestens 2017 als Kanzlerin abtreten wird und daraus folgt: "Langsam, aber sicher muss also eine Nachfolgerin aufgebaut werden." (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-12/leyen-verteidigungsminist...).

    Wohlgemerkt, nur eine Nachfolgerin, kein Nachfolger oder auch kein(e) Nachfolger_in. Aber das ist dann ja auch nur Sexismus zuungunsten von Männern und noch dazu von einer Frau geschrieben. Und wie wir aus obigem Artikel lernen dürfen: "Eklig klingt es nur bei den Männern"

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    sie abzuschießen. Wer hat in den letzten Jahren einen persönlichen Karrieresprung aus dem Verteidigungsministerium gemacht?
    Und ansonsten zur Karriere der Dame:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/ursula-von-der-leyen-eine-stei...
    http://de.scribd.com/doc/30578812/Die-Karriere-der-Ursula-von-der-Leyen-...

  2. Wenn man sie sucht.
    Wenn eine Tante wie diese zur Verteidigungsministerien erhoben wird ist das trotzdem ähnlich lächerlich wie ein Luftikuss namens Scharping oder ein Schmock wie Gutenberg.

    Allerdings muss man hier zugute halten das von der Leyen wenigstens in der Lage ist politische Projekte durchzuboxen. Über die Sinnhaftigkeit lässt sich immer streiten.

    Ich für meinen Teil halte sie für würdiger als die letzten Männer die diesen Posten inne hatten.

    Aber das ist auch keine Kunst!

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    • Antigen
    • 16. Dezember 2013 16:27 Uhr

    kann es auch egal sein, was so ein Haufen missgünstiger und chronisch nörgelnder E-Kommentatoren von sich gibt.

    Man darf Foristen und Blogger auch nicht überschätzen: Diese haben zu fast jedem Thema eine dezidierte Meinung und sind ebenso dezidiert davon überzeugt, dass sie recht haben und den vollen Durchblick, auch wenn sie vom inneren Aufbau eines Bundesministeriums und den internen Abläufen keine Ahnung haben. Ebenso amüsant waren auch jene Kommentatoren, die vdL die Führungsqualitäten absprechen, obwohl sie vdL bestenfalls aus den Medien kennen.

    Letztendlich gibt es in Deutschland Millionen "Militärexperten", genauso wie es auch Millionen Bundestrainer gibt.

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    Meine Vermutung, Frau von der Leyen wird einen definitiv besseren Job machen, als die beiden Unions Vorgänger. Meiner Meinung nach, ist sie der einzige Minister, der nicht vor dem Kanzler kuscht (von Unionsseite).

  3. Mit der Verkündung des Verteidigungsfalles geht die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte ohenhin auf den Bundeskanzler über (Art. 115b GG). Und der ist nun auch schon seit acht Jahren weiblich.

    Und vor Frau Merkel haben schon zahlreiche Soldaten und Soldatinnen strammgestanden.

    Aber wenn die Medien nichts Substanzielles zu berichten haben oder Substanzielles deren Konsumenten überfordert, berichtet man eben über Belangslosigkeiten.

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  4. "Wenn eine Frau das Verteidigungsministerium übernimmt, sind sexistische Kommentare programmiert. Leider lassen sich auch Journalisten davon inspirieren." - wie allein schon die Überschrift eindrucksvoll beweist ;)

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    " "Die Truppe hört jetzt auf Kommandos im Sopran", titelte Welt Online. "Dass von der Leyen Spaß daran hätte, einen General vor sich strammstehen zu sehen, kann man sich vorstellen", kokettierte die FAZ "

    ... um die Intention der Überschrift zu verstehen.
    Macht nichts, das nächste Mal...

    Wenn man Sexismus doof findent, dann sollte man vielleicht nicht NOCH einen Artikel schreiben, der nur das Geschlecht dieses Ministers diskutiert.
    Ich denke auch, dass VdL in der Lage ist, in der Bundeswehr etwas durchzusetzen. Führen kann sie. Das Problem ist, was sie bisher durchgesetzt (oder zumindest versucht) hat, ist, mit Verlaub, einfach nur Scheiße. Ganz besonders dort, wo sie Null Ahnung hat. Man erinnere sich an die Kinderpornosperrseite.
    Ist das denn regieren im demokratischen Sinne, die eigene Meinung gegen jede Logik und Argumente durchzusetzen? Der Mehrheit der Deutschen scheint das nach wie vor zu gefallen.
    Ob es nun bei der Bundeswehr klappt (inkl. MAD, ahhh!), ist ein völlig offenes Experiment. Kann auch gut funktionieren. Kann sogar der letzte Dreck werden, ohne, dass es in den nächsten 4 Jahren auffällt.

    Aber die Zeit hat ja zu Sicherheit auch schon geschrieben, dass Kompetenz und Erfahrung im Fach fürs Regieren völlig unwichtig sind. Ist das gleiche wie große Unternehmen führen. Das funktioniert nicht nur bei öffentlichen Großprojekten, sondern sogar bei Konzernen wie Thyssen-Krupp. Erfahrung mit der Materie ist völlig überbewertet.

    Die Krone des Ganzen ist dann noch, dass dieses immer wiederkehrende Ministerpostenkarussel zu Politikverdrossenheit führt. Ein Teufelskreis.

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