Passive Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt, aktive nicht

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet aktive Sterbehilfe – Ärzte lehnen die Tötung auf Verlangen aber rigoros ab. "Es ist nicht würdig, weggespritzt zu werden. Würde ist nicht die schnelle Exekution, sondern sein Leben zu Ende zu leben, denn das Sterben ist immanenter Teil des Lebens", sagte der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery gegenüber ZEIT ONLINE. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov sprechen sich zwei Drittel der Bürger (66 Prozent) für die Legalisierung der in Deutschland verbotenen aktiven Sterbehilfe aus.

Das Ergebnis überrasche ihn nicht, sagte Montgomery. "Dahinter steht der Wunsch, möglichst viel Entscheidungsfreiheit auch über den eigenen Tod zu bewahren." In der konkreten Situation würden sich Patienten nach Erfahrung der Ärzte dann aber in der Regel doch dagegen entscheiden. "Wenn man todkranken Menschen die Angst vorm Sterben nimmt, ihnen garantiert, dass man ihnen die Schmerzen nehmen kann, das kann man bei fast allen, dann ist bei den meisten Menschen innerhalb von 24 Stunden der Todeswunsch vollkommen verschwunden."

Auch Vertreter der Evangelischen Kirche (EKD) sind der Ansicht, dass "intensive und liebevolle Begleitung von Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke den Gedanken an Suizid nicht selten 'verscheucht'", wie der EKD-Sprecher Reinhard Mawick sagt. Die Kirche lehne Selbsttötung und die Hilfe zum Suizid ab und befürworte stattdessen den Ausbau der Palliativmedizin. "Dies ist die angemessene Antwort christlicher Ethik und tätiger Nächstenliebe auf Not und Verzweiflung am Lebensende."

"Der Patient muss wissen, dass der Arzt ihn nicht tötet"

Die Mehrheit der Deutschen sieht das aber anders: Schwerkranken Menschen beim Suizid zu helfen, soll nach Ansicht von 72 Prozent der Deutschen erlaubt bleiben, wie aus der von ZEIT ONLINE in Auftrag gegebenen Umfrage hervorgeht. Wer in Deutschland einem anderen Gift für den Selbstmord nur besorgt, macht sich nicht strafbar – der Lebensmüde muss es aber selbst einnehmen. Ärzten verbietet das Berufsrecht, dabei zu helfen. Das müsse so bleiben, betonte Montgomery. "Ärzte sind in ihrer ethischen Grundausrichtung auf den Erhalt des Lebens ausgerichtet. Der Patient muss wissen, dass der Arzt in diesem Kontext an sein Bett tritt und nicht als jemand, der ihn tötet."

Die Bundesärztekammer unterstütze den Vorschlag von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), jede Form der gewerblichen und organisierten Sterbehilfe unter Strafe zu stellen. 61 Prozent der Deutschen lehnen das laut YouGov-Umfrage aber ab. Gröhe wollte sich am Dienstag zur ablehnenden Haltung der Bevölkerung zu seinem Vorschlag gegenüber ZEIT ONLINE nicht äußern.

Sein Ministerium verwies auf ein Zeitungsinterview, das Gröhe am Montag gab. Darin sagte er, aus den Ergebnissen solcher Umfragen spreche auch die Angst, den Angehörigen zur Last zu fallen. "Aber wollen wir in unserer Gesellschaft den Gedanken fördern, menschliches Leben falle anderen zur Last? Gilt das dann auch für behindertes Leben? Ich will das nicht."