Der mögliche Wechsel von Exkanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) in den Vorstand der Deutschen Bahn erntet auch in der eigenen Partei Skepsis. Baden-Württembergs CDU-Landtagsfraktionschef Peter Hauk forderte Pofalla auf, sein Bundestagsmandat niederzulegen. Da es sich bei der Bahn um ein Unternehmen in Staatsbesitz handele, müsse "eine Interessenskollision auch dem Anschein nach vermieden werden", sagte er der Welt.

Trotzdem könne Pofalla weiterhin in der CDU tätig sein und auch seine Parteiämter behalten, sagte Hauk. "Wir wollen doch niemanden ächten, der in die Wirtschaft wechselt. Es kann im Gegenteil einer Partei nur gut tun, wenn sie in ihren Führungsgremien Menschen mit Erfahrungen in der Wirtschaft hat."

Zuvor hatten bereits Politiker von SPD und Grünen Pofallas mutmaßlichen Wechsel kritisiert. Die Grünen forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, Stellung zu beziehen. Pofalla sei "jahrelang die rechte Hand" Merkels gewesen, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Britta Haßelmann, der Rheinischen Post. Die Kanzlerin sei "jetzt aufgefordert, sich zum offenbar bevorstehenden Wechsel Pofallas zur Bahn zu positionieren".

"Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung jetzt so tut, als habe sie mit dem Wechsel nichts zu tun, nur weil er seit ein paar Wochen dem Kabinett nicht mehr angehört", sagte Haßelmann weiter. Pofalla habe "massiven Erklärungsbedarf gegenüber seinen Wählern im Wahlkreis Kleve, die ihn direkt in den Bundestag gewählt haben und die sich jetzt hinters Licht geführt fühlen müssen". Dies werfe "auf uns alle ein schlechtes Licht" und schade "dem Ansehen von Politikern", sagte Haßelmann.

Pofalla soll Presseberichten zufolge im Bahn-Vorstand ein neues Ressort übernehmen, das die langfristige Unternehmensstrategie und Kontakte zur Politik umfassen soll. Eine offizielle Bestätigung gibt es bisher nicht. Die Bundesregierung teilte am Freitag mit, sie wolle den möglichen Wechsel nicht bewerten.