Die CDU hat im vergangenen Jahr mal wieder den Koalitionspartner gewechselt, die Führungsriege der Partei ist dabei weitgehend unverändert geblieben. Die meisten Gesichter an der Spitze kennt man seit Langem, wenn auch zum Teil aus anderen Funktionen.

Einzige Ausnahme ist der neue Generalsekretär Peter Tauber, 39 Jahre alt und Hesse. Er war einer größeren Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt – nun ist er plötzlich die zweitwichtigste Person der Partei. Im Dezember wurde er benannt, doch erst in der vergangenen Woche hat er auch tatsächlich seine Arbeit in der CDU-Zentrale in Berlin aufgenommen.

An diesem Montag erlebte er gewissermaßen seine Feuertaufe: Vor der Hauptstadtpresse musste er die Ergebnisse einer telefonischen Präsidiums- und Vorstandssitzung der CDU erläutern.  

Bloggt, twittert und podcastet


Die Erwartungen, die sich an den für CDU-Verhältnisse jungen Mann richten, sind keine geringen: Der netzaffine Historiker – er bloggt, twittert und podcastet soll der Partei ein modernes Image verleihen und das Signal an alle Unter-50-Jährigen senden, dass sie trotz Mütterrente in der CDU richtig sind. Tauber selbst hat sich ebenfalls kein kleines Ziel gesetzt: "Wir wollen Bürgerinnen und Bürger einladen und begeistern", schreibt er auf seiner Facebookseite.

Als Tauber in der Parteizentrale vor das Mikrofon tritt, beschränkt sich der Unterschied zu seinem Vorgänger Herrmann Gröhe jedoch weitgehend aufs Optische: Tauber ist deutlich schlanker als sein Vorgänger und trägt statt Bürstenhaarschnitt einen modischen Dreitagebart zur Glatze. Auch eine derart auffällige schwarze Hornbrille hätte man sich an seinem Vorgänger schlecht vorstellen können.

Ansonsten fällt der Unterschied geringer aus. Auf die meisten Fragen hält Tauber dieselben höflichen Nullantworten bereit wie dies sein Vorgänger getan hätte.  

Die Zukunft von Ronald Pofalla? War kein Thema der Sitzung. Der Streit um die Vorratsdatenspeicherung oder die Armutsmigration? Ebenfalls kein Thema. Die Vorschläge von SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles zur Finanzierung der Rentenreform aus Steuern? "Wir setzen um, was im Koalitionsvertrag steht." Stellt die AfD eine Gefahr für die CDU im Europawahlkampf dar? "Wir setzen uns mit allen Mitbewerbern auseinander." 

Gehversuche in der neuen Funktion

Während Tauber antwortet, lächelt er oft, manchmal wirkt es ein wenig ironisch – so als beobachte er sich selbst in seiner neuen Rolle, die ihm noch etwas suspekt erscheint.

Schließlich wurde er selbst von dem Stellenangebot nicht minder überrascht als die Journalisten, die vor ihm sitzen. Als Angela Merkel ihn während der Phase der Kabinettsbildung anrief und ins Kanzleramt bat, rechnete er bestenfalls mit einer Beförderung zum Internetbeauftragten. Doch er war selbstbewusst genug, sich auch den Generalsekretärsposten zuzutrauen.

Inhaltlich vertritt der Oberleutnant der Reserve mitunter reichlich konservative Positionen. In der aktuellen Debatte um Sterbehilfe setzt er sich für ein komplettes Verbot ein, über Abtreibungen will er diskutieren – auch wenn er keine gesetzlichen Änderungen anstrebt. Und Patriotismus ist für ihn ebenfalls selbstverständlich: "Mir ist mein Vaterland wichtig", sagt er in einem aktuellen Interview. Seinem Blog hat er den selbstironischen Titel "schwarzer Peter" gegeben.  

Per Du mit al Wazir

Als Zögling des als besonders konservativ geltenden hessischen Landesverbandes sind solche Positionen kaum verwunderlich, andererseits hat er einen starken Hang zu Schwarz-Grün. Mit dem hessischen Grünen-Vorsitzenden Tarek als Wazir duzt er sich seit Längerem, und das dortige Bündnis soll er mitbefördert haben.

Auch hat er in der Vergangenheit durchaus immer mal wieder Positionen vertreten, die quer zum Mainstream seiner Partei standen. Als JU-Vorsitzender in Hessen etwa sprach er sich 2006 gegen Studiengebühren aus. In jüngster Vergangenheit hat er ein Manifest von Unionspolitikern unterzeichnet, die kritisierten, der Koalitionsvertrag gehe zu Lasten der Jüngeren.

Früher waren Generalsekretäre in der Regel Männer, die von sich selbst sagten, sie seien Mitglied im Verein für klare Aussprache. Die scharfe Attacke auf den politischen Gegner gehörte zur Stellenbeschreibung. Am Montag schien es zunächst nicht so, als wenn der ausgesprochen freundliche Neue der CDU sich in diese Tradition stellen wollte – mit der im Übrigen bereits sein Vorgänger weitgehend gebrochen hatte.

Wenn Tauber allerdings sein selbstgesetztes Ziel – nämlich klarzumachen, was CDU pur ist – erreichen will, wird er schon noch ein bisschen deutlicher werden müssen.