Die SPD ist eine Partei, die gern mit sich selbst hadert. Hier schlagen die Flügel härter aufeinander ein als anderswo – und Basis und Führung beschimpfen einander traditionell offenherziger. Sie ist eine Partei, die zu linkssozialen Visionen genauso fähig ist wie zu einem pragmatischen, wirtschaftsfreundlichen Regierungskurs. All diese Konflikte beschäftigen die SPD seit fast 151 Jahren. Sie haben ihr viele aufregende Parteitage beschert.

Dieser in Berlin, der erste, seit die Genossen im Bund wieder mitregieren, gehörte definitiv nicht dazu. Gehadert, gestritten, geschlagen – all das hat hier öffentlich niemand. Der Parteitag zeigte ein konträres Bild, eines, zu dem die SPD ebenfalls durchaus fähig ist: nämlich demonstrative Geschlossenheit und viel Selbstzufriedenheit.

Davon zeugen allein die Abstimmungsergebnisse: Der Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz, wurde von den Delegierten mit sozialistisch anmutenden 97 Prozent gekürt. Sämtliche weitere Listen-Kandidaten erhielten die nötige Mehrheit, ebenso ihre Nachrücker. Ein drohender Streit war im Vorfeld entschärft worden, in dem westdeutsche Landesverbände zugunsten der ostdeutschen auf Plätze verzichteten.

Der Start in die Große Koalition ermutigt die Genossen

Auch die neue Parteispitze wurde nahezu einmütig gekürt: Die neue Generalsekretärin Yasmin Fahimi erhielt fast 90 Prozent, obwohl viele Genossen sie bislang kaum kennen. Selbst Ralf Stegner erhielt bei der Wahl zum neuen Parteivize ein passables Ergebnis, obwohl dieser sogar in seinem eigenen Landesverband ziemlich viele Gegner hat. Es gab weder Gegenkandidaten noch sonst irgendwelche Kampfabstimmungen.

All das spricht für das große Vertrauen, das die Partei ihrer Führung derzeit entgegenbringt. Die meisten Genossen sind äußerst zufrieden mit dem Start in die Bundesregierung – und dem vorherigen Prozess der Regierungsbildung, bei dem die Basis durch die Mitgliederbefragung beteiligt wurde: Die Inhalte stimmen, die Minister sind Aktivposten, wir können regieren, so lautet der Tenor auf den Parteitagsfluren.

Und dieser Tenor deckt sich sogar weitgehend mit dem öffentlichen. Selbst die bürgerliche Presse bescheinigt den Sozialdemokraten derzeit ein hohes Maß an Professionalität und Durchsetzungsstärke. Nahles’ Rentenreform, Steinmeiers EU-Offensive, Gabriels Energiewende, das sind die Themen, die die ersten Wochen der neuen Regierung geprägt haben.

Die CDU ist ebenfalls angetan vom Koalitionspartner: Gut vorbereitet, klar, aber kompromissfähig, so wirken die Genossen auf die Herren Kauder, Schäuble oder Seehofer. Im Subtext schwingt mit: ganz anders als damals die FDP.