Die außenpolitische Debatte verläuft hierzulande auffallend spiegelverkehrt zur aktuellen Diskussion in den USA. Während in Deutschland vermehrt ein stärkeres auch militärisches Engagement Deutschlands gefordert wird , stimmen  Politik und Wissenschaft in Amerika zunehmend überein, dass militärische Interventionen ein ineffektives und extrem kostspieliges Instrument sind.

Beispielhaft dafür steht Robert Gates. Als Verteidigungsminister hatte er bis 2011 die Interventionen der USA in Afghanistan und im Irak verantwortet. Heute betont er, dass die Erfolge minimal seien im Vergleich zu den eingesetzten Mitteln.    

Der Politikwissenschaftler John Mearsheimer von der Universität Chicago wiederum weist darauf hin, dass das Vorgehen der US-Streitkräfte eher Widerstand als Stabilität produziere und damit die Konflikte noch verschärfe. Er richtet den Blick zudem auf die innenpolitischen Folgen des militärischen Engagements und warnt, dass die Sachlogik des Interventions- und Sicherheitsstaats die gesellschaftliche Freiheit zu untergraben drohe, etwa durch den Aufbau von Überwachungseinrichtungen wie der NSA.

US-Präsident Obama hat sich dieser interventionsskeptischen Position mit der Formulierung angenähert: "Nach einem Jahrzehnt des Krieges ist es Zeit, sich auf die nation building zu Hause zu konzentrieren."

Während sich also jenseits des Atlantiks ein Konsens darüber entwickelt, dass militärische Interventionen in praktisch allen Fällen die gesteckten Ziele nicht erreichen, sondern unverhältnismäßiges Leid und immense Kosten erzeugen, wird hierzulande über neue Militäreinsätze diskutiert. Dabei hat die Analyse von Interventionen der letzten 20 Jahre ernüchternde Erkenntnisse über deren Grenzen und weitgehende Wirkungslosigkeit erbracht.

Ernüchternde Erkenntnisse

Der Einsatz militärischer Gewalt muss grundsätzlich zwei Mindestanforderungen genügen: Er muss ethisch vertretbar sein und Aussicht auf Erfolg haben. Aus ethischer Perspektive gibt es neben der Selbstverteidigung ein gewichtiges Argument für die Entsendung bewaffneter Streitkräfte, und zwar den Schutz von Menschen vor unmittelbar drohenden Massengewalttaten. Alle anderen Argumente wie Bündnissolidarität, Stabilisierung und Staatsaufbau oder Schutz ökonomischer Interessen liefern keine ethische Rechtfertigung für das Töten von Menschen oder den Tod eigener Soldaten. 

Das könnte die in einigen Debattenbeiträgen angeregte deutsche Interventionsbeteiligung in Afrika stützen. Denn dort sind zweifellos Menschen bedroht. Und immerhin zeigen Forschungsergebnisse, dass die Zahl getöteter Menschen nach einer Intervention öfter zurückgeht als ohne externen Eingriff.