Zugegeben, es gibt eigentlich recht viele schöne Dinge, die man über Deutschland sagen könnte. Nur, ich tue dies ungern. Ich schreibe ja seit etwa 20 Jahren über dieses Land und wenn ich eins gelernt habe, dann das: Positives beeindruckt die Deutschen nicht. Über Positives kann man nicht streiten. Positives macht einfach keinen Spaß. Den Deutschen Positives über ihr eigenes Land zu berichten, ist, als ob man "Nur keine Panik!" in ein Zimmer voller zugekiffter Teenies auf großen flauschigen Sofas ruft. Keine Wirkung, null.

Wer hierzulande gehört werden will, muss Gemeinheiten verbreiten, und wer dennoch unbedingt Positives sagen will, muss mindestens in einem Nebensatz einen fiesen Seitenhieb einflechten, sonst hat er irgendwann keinen Job mehr. Deshalb überbringe ich heute nur unter Widerwillen eine unerwartet gute Nachricht: Es gibt deutliche Zeichen, dass Deutschland endlich zu einer ernst zu nehmenden Nation wird.

Die Zeichen kamen Schlag auf Schlag: Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung: "Es wird zu Recht von uns erwartet, dass wir uns einmischen." Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte an, Deutschland werde sich künftig stärker engagieren. Und Bundespräsident Joachim Gauck sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz: "Wir Deutschen sind auf dem Weg zu einer Form der Verantwortung, die wir noch nicht eingeübt haben."

So eine geballte Verantwortungsoffensive ist riskant, denn die Deutschen haben seit fast 70 Jahren keine nennenswerte Verantwortung mehr für irgendwen außer sich selbst übernommen. Der deutsche Verantwortungsmuskel ist sozusagen schwerst retardiert. Seit vielen Jahren fordert die Welt Deutschland auf, sich mehr einzubringen, und nun ist es passiert. Langsam, ganz langsam schöpft man leise Hoffnung, dass Europa sich ein wenig bewegt.

Ehrlich gesagt, ich hatte nicht mehr geglaubt, dass das möglich sei. Als ich vor knapp einem Jahr mein Buch Die ängstliche Supermacht veröffentlichte, war alles noch völlig anders. Mit meiner Co-Autorin Astrid Ule und auch mit dem Verlag wurde heftig diskutiert, ob man überhaupt von Deutschland als einer Art Weltmacht, geschweige denn einer werdenden Supermacht sprechen darf: "Sind das nicht Großmachtsfantasien? Sie wissen doch, was letztes Mal passiert ist, Herr Hansen?"

Und jetzt diese erstaunliche Kehrtwendung: Endlich geht einigen Leuten auf, dass Europa ohne Deutschlands aktive Hilfe, Einmischung und hm, ja, tschuldigung, Führung, verloren ist. Dass Deutschland eines der reichsten und mächtigsten Länder der Welt ist, und damit möglicherweise eine gewisse Verantwortung einhergeht.

Na gut, mit Sprüchen ist es natürlich nicht getan. Ob die Bundesregierung tatsächlich etwas tut, wird man sehen. Und zwar relativ bald, denn die erste große Herausforderung ist schon da.