Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) © Johannes Eisele/AFP/GettyImages

CSU-Chef Horst Seehofer ist in Berlin zu einem Krisentreffen mit Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt zusammengekommen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa könnte auch Agrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dazu geladen werden. Dem Vernehmen geht es um die Weitergabe von Informationen in seiner damaligen Funktion als Bundesinnenminister über Ermittlungen gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy.

Das Treffen hat um 9 Uhr begonnen, die Situation wurde als sehr kritisch eingestuft – auch personelle Konsequenzen wurden nicht ausgeschlossen. Friedrich hatte eingeräumt, als Innenminister Informationen über die Ermittlungen an die SPD-Spitze weitergeleitet zu haben. Die Opposition aus Grünen und Linken sowie die FDP fordern deshalb den Rücktritt des Ministers

Wie der Nachrichtensender n-tv aus CDU-Kreisen erfuhr, soll Kanzlerin Angela Merkel über die angebliche Weitergabe der Ermittlungsinformationen stocksauer sein: sie schätze keine Plaudereien. Eine Entscheidung über die Zukunft des CSU-Ministers stehe vermutlich noch am Vormittag an.

Friedrich hatte im Oktober 2013 SPD-Chef Sigmar Gabriel darüber informiert, dass der Name des SPD-Abgeordneten Edathy bei internationalen Ermittlungen um Nacktbilder von Jugendlichen aufgetaucht sei. Gabriel wiederum weihte weitere Spitzengenossen ein, darunter den heutigen SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. 

Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung wissen auch alle 16 Landeskriminalämter seit vergangenem Oktober von den Ermittlungen gegen Edathy. Insofern sei die potenzielle Bandbreite undichter Quellen und möglicher frühzeitiger Informationsweitergaben an Edathy "relativ breit", schreibt die Zeitung unter Berufung auf Regierungs- und Ermittlerkreise in Berlin.