Der zurückgetretene Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) greift im Fall Edathy den SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann an. Dieser habe ein gezieltes Ablenkungsmanöver gefahren, um seine eigene Karriere zu retten, sagte Friedrich am Rande des kleinen CSU-Parteitags in Bamberg. Oppermann sei nach widersprüchlichen Aussagen in der Edathy-Affäre selbst schon "am Schlafittchen" gewesen und habe dann in letzter Sekunde ihm den Ball zugeschoben. "Das ist nicht ganz fein."

Friedrich war am Freitag wegen des Vorwurfs, er habe möglicherweise Dienstgeheimnisse verraten, zurückgetreten. Hintergrund ist die Affäre um den früheren SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy, gegen den wegen Vorwürfen im Grenzbereich zur Kinderpornografie ermittelt wird. Als Innenminister hatte Friedrich erfahren, dass Edathys Name im Zusammenhang mit Ermittlungen im Ausland aufgetaucht sei, und SPD-Chef Sigmar Gabriel darüber informiert. Gabriel hatte wiederum Oppermann und Frank-Walter Steinmeier unterrichtet. Diesen Vorgang hatte Oppermann am Donnerstag öffentlich gemacht. Friedrich war so stark unter Druck geraten, dass er zurücktrat. Oppermann hatte gesagt, er hätte seine Aussagen mit Friedrich abgestimmt.

Der frühere Minister bestritt energisch Oppermanns Behauptung, er habe in dem Gespräch mit Gabriel gesagt, dass es vielleicht zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen Edathy kommen würde. "Das habe ich nicht gesagt", sagte Friedrich. 

Politiker von CSU, FDP und aus der Opposition fordern personelle Konsequenzen

Seit seinen Aussagen über Friedrich ist Oppermann vor allem aus der Union, aber auch von der Opposition scharf angegriffen worden. CSU-Chef Seehofer sagte der Rheinischen Post: "Da besteht großer Aufklärungsbedarf, insbesondere bei ihrem Fraktionsvorsitzenden Oppermann." Darüber müssten sich die drei Parteivorsitzenden der Regierungskoalition unterhalten. Im Bezug auf Oppermanns Äußerungen warf er der SPD "Geschwätzigkeit" vor.

Auch die Linken-Chefin Katja Kipping legte Oppermann den Rücktritt nahe. Der hatte im Oktober auch beim Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, angerufen, um sich über Ermittlungen gegen Edathy zu erkundigen. Damit stehe der Verdacht im Raum, dass Edathy gewarnt wurde. Kipping warf Oppermann vor, die Befugnisse seines Amtes überschritten zu haben. "Wie kommt ein ehemaliger Parlamentarischer Geschäftsführer dazu, beim Chef des BKA anzurufen und ihn zum Geheimnisverrat anzustiften?", sagte sie. "Das ist eine politische Haltung, die mit der Ausfüllung eines Spitzenamtes nicht vereinbar ist."  

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki erwägt im Zusammenhang mit dem Fall Edathy, Strafanzeige gegen SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann zu stellen. "Ich werde eine Strafanzeige gegen Herrn Oppermann prüfen. Auch gegen ihn müsste die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleiten", sagte er der Nordwest Zeitung. "Es kann nicht sein, dass in unserem Rechtsstaat einige Leute meinen, sie hätten mehr Rechte als andere. Das ist inakzeptabel." Auch gegen den Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) müsse die Staatsanwaltschaft ermitteln, sagte Kubicki.