In einem Appell hat die Lübecker Autorengruppe um Günter Grass gefordert, die von Taliban bedrohten afghanischen Bundeswehrhelfer und ihre Familien in Deutschland aufzunehmen. "Sollten die Bundestagsabgeordneten die drohenden Morde ignorieren oder die Rettungstat verweigern, würde ein weiteres Versagen die deutsche Geschichte belasten", heißt es in dem Aufruf. Es gehe um mehr als tausend Menschen.

"Es würde uns dauerhaft anhängen, wenn nicht demnächst eine vom Bundestag beschlossene Regelung Abhilfe schafft", schreiben der Nobelpreisträger und neun weitere Autoren. Unterzeichner des Aufrufs sind sind neben Grass Nora Bossong, Sherko Fatah, Steffen Kopetzky, Benjamin Lebert, Dagmar Leupold, Norbert Niemann, Fridolin Schley, Tilman Spengler und Feridun Zaimoglu.

Die Bundeswehr und andere deutsche Regierungsstellen beschäftigen in Afghanistan etwa 1.350 Einheimische – vor allem Dolmetscher, Scouts und Lehrer an Mädchenschulen, aber auch Reinigungskräfte und Wachpersonal. Sie fürchten nach dem Abzug der Bundeswehr Racheakte der radikalislamischen Taliban. 150 Helfern haben bisher die Erlaubnis erhalten, nach Deutschland zu kommen.

In ihrem Appell beschreiben die Autoren die möglichen Folgen des Bundeswehrabzugs drastisch: "Ab Ende des zwölften Kriegsjahres sollen die Afghanen sich selbst überlassen sein. So auch die bediensteten Hilfswilligen, von denen bislang nur wenigen die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland erlaubt wurde. Alle anderen werden der gottgewollten Rache der Taliban ausgesetzt sein, sie sind es jetzt schon, gleichfalls ihre Familien; keine Rettung, der Tod ist ihnen gewiss."

Der Nato-Einsatz in Afghanistan läuft Ende des Jahres aus. Derzeit sind noch rund 2.900 von einst mehr als 5.000 deutschen Soldaten in dem Land. Die Bundeswehr will sich ab 2015 noch mit bis zu 800 Soldaten an der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte beteiligen.