Martin Sonneborn – der Gründer der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die Partei) © Steffi Loos/CommonLens

ZEIT ONLINE: Die Sperrklausel für die Europawahl im Mai ist gefallen – jetzt muss sich Europa wohl mit der Partei auseinandersetzen.

Martin Sonneborn: So ist es. Und das ist gut so. Das Urteil ist ein schöner Fingerzeig für die ehemaligen Volksparteien: Offenbar können sie es sich in unserem System doch nicht so gemütlich einrichten, wie sie glauben. Nach der vom Bundesverfassungsgericht gekippten Fünfprozenthürde einfach eine Dreiprozenthürde einzuführen, um ein paar gut dotierte Sitze in Brüssel zu erhalten, das war schon dummdreist.

ZEIT ONLINE: CDU und CSU kritisieren den Richterspruch mit der Begründung, nun müsste man mit Splitterparteien und radikalen Kräften aus Deutschland im EU-Parlament leben. Fühlen Sie sich angesprochen?

Sonneborn: Nein, sie haben ja nicht von Spinner- oder Spaßparteien gesprochen.

ZEIT ONLINE: Wie radikal ist Die Partei denn nun wirklich?

Sonneborn: Wir sind natürlich radikal lustig, und in einem Spaßparlament, das sich über Pizzateigdicke und Ölkännchen Gedanken macht, dürfen wir keineswegs länger fehlen.

ZEIT ONLINE: Worauf müssen sich Brüssel und Straßburg jetzt einstellen?

Sonneborn: Auf Kaugummis und Zahnpasta unter den Türklinken, Klingelstreiche, Reißzwecken auf den Sitzen der Fraktionsvorsitzenden, FDP-Schilder an der Tür der Damentoilette. Da fallen uns sicher noch ein paar Sachen ein.

ZEIT ONLINE: Was wollen Sie ändern an Europa?

Sonneborn: Als erstes wollen wir ein Komitee für antiamerikanische Umtriebe gründen. Dann wollen wir die Fraktionen hinter uns versammeln, Globalisierung und Bankenfreiheit bekämpfen und beschneiden, eine Mauer um die Schweiz bauen, und, und, und...

ZEIT ONLINE: Wer zieht als Spitzenkandidat in den Wahlkampf?

Sonneborn: Ich bin die Nummer eins auf unserer Europaliste, weil ich schon mal im EU-Parlament war, mit Hitler-Bart für die heute show. Aber wir haben beschlossen, monatlich zurückzutreten, damit 60 Parteimitglieder in den Genuss der rund 30.000 Euro kommen, die man in Brüssel ausgeben muss.

ZEIT ONLINE: Mit wie viel Prozent rechnen Sie bei der Wahl?

Sonneborn: Realistisch? Ganz unter uns? Ohne den üblichen Propaganda-Quatsch? Zehn Prozent. Höchstens.

ZEIT ONLINE: So viel? Ist das nicht etwas zu optimistisch?

Sonneborn: Nein, 72 Prozent der Bundesbürger interessieren sich gar nicht für die Europawahl. Wir werden unsere Klientel an die Urnen befehlen – und einen extrem langweiligen, einschläfernden Wahlkampf führen, der jegliches Interesse der Bundesbürger an der Wahl im Keim erstickt.

ZEIT ONLINE: Und das reicht?

Sonneborn: Nein. Zusätzlich werden wir attraktive Veranstaltungstipps für den 25. Mai geben: zum Beispiel Bowling!