Die schwarz-rote Koalition debattiert angesichts der Krise in der Ukraine über die Fußball-WM im Jahr 2018. Diese soll eigentlich von Russland ausgerichtet werden. Doch das stellt Michael Fuchs, der stellvertretende Fraktionschef der Union, nun in Frage. "Ob es vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse wirklich angemessen ist, in vier Jahren eine Fußballweltmeisterschaft in Russland auszurichten, das kann man durchaus infrage stellen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Solche "weichen Sanktionen" müssten allerdings Teil eines breiter angelegten Vorgehens sein, sagte der CDU-Politiker.  


Die Äußerungen stießen auf Widerspruch in der SPD. Jetzt sei die Stunde der besonnenen Diplomatie, mahnte SPD-Vize-Chef Ralf Stegner. "Gefragt sind da eher außenpolitische Entspannungsbemühungen und nicht verbale Kraftmeierei von den Zuschauertribünen", sagte er Handelsblatt Online. Auch Linken-Parteichef Bernd Riexinger lehnt den Vorstoß von Fuchs ab. Ein Boykott sei Unfug. "Da wollen ein paar kalte Fußballkrieger die Krimkrise nutzen, um Stimmung zu machen", sagte er. "Die Logik der Eskalation führt unweigerlich in Konfrontation." Fußball hingegen baue Brücken.

Unterstützung erhielt Fuchs hingegen von Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth. Die Grünen-Politikerin machte den Abzug russischer Soldaten von der Krim zur Bedingung für Weltmeisterschaft. Der Weltverband Fifa müsse Russland genauso wie Katar, das 2022 Gastgeber werden soll, deutlich machen, dass man Entscheidungen über Austragungsorte auch aufheben könne. "Wenn Russland seine aggressive Politik fortsetzt, sind die Kriterien für eine friedliche Fußballweltmeisterschaft nicht erfüllt", sagte Roth der Bild am Sonntag. Katar steht unter anderem wegen der Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in der Kritik.

Die USA und die EU haben erste Sanktionen gegen Russland im Konflikt mit der Ukraine verhängt. Die EU könnte nach Angaben aus der Bundesregierung bereits nächste Woche weitere Strafmaßnahmen erlassen, sollte es keine Fortschritte bei der Bildung einer Kontaktgruppe geben, die eine politische Lösung des Konflikts ermöglichen soll.