Die Bundesregierung will gegen den Missbrauch von Sozialleistungen durch Zuwanderer aus der EU vorgehen. "Das Problem ist bundesweit überschaubar, aber regional besorgniserregend", sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Er legte zusammen mit Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) einen Zwischenbericht zum Thema Zuwanderung vor. Es ist die Reaktion auf die Debatte über die seit Jahresbeginn geltende Freizügigkeit für Bürger aus Rumänien und Bulgarien. Den besonders betroffenen Kommunen sagte die Bundesregierung Hilfe zu.

In dem 133 Seiten starken Papier plädieren die beteiligten Ministerien dafür, EU-Zuwanderern bei Rechtsverstößen für eine gewisse Zeit die Wiedereinreise zu verbieten. Zudem soll die Aufenthaltsdauer zur Arbeitssuche befristet und die Auszahlung von Kindergeld an strengere Vorgaben geknüpft werden. Damit soll verhindert werden, dass Behörden für ein Kind doppelt Geld auszahlen.

Die Gewerbeaufsicht soll Scheinselbstständigkeit und Schwarzarbeit besser bekämpfen. Arbeitskräfte müssten künftig ihre Personalpapiere bei sich führen, schlug de Maizière vor. Maßnahmen zur besseren Integration sollten verstärkt werden.

Finanzhilfen für Städte

Die vom Zuzug vor allem aus Rumänien und Bulgarien besonders betroffenen Städte sollen in den nächsten sieben Jahren 200 Millionen Euro Unterstützung erhalten, etwa über das Städtebauförderprogramm "Soziale Stadt" oder europäische Hilfs- und Sozialfonds, aus denen mit 140 Millionen der größte Anteil kommt.

Seit dem 1. Januar gilt für Bürger aus Bulgarien und Rumänien die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Das heißt, sie brauchen keine Arbeitserlaubnis mehr, um sich in Deutschland niederzulassen. Beide Staaten sind seit 2007 EU-Mitglieder.

Die Zuwanderung aus diesen Ländern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – vor allem nach Duisburg, Offenbach, Frankfurt am Main, München, Dortmund, Hamburg, Hannover und Mannheim. Die Zahl der Hartz-IV-Bezieher aus diesen beiden Ländern stieg von 2012 auf 2013 um etwa 50 Prozent. Der Anstieg sei besorgniserregend, sagte der Innenminister. "Deshalb ist es richtig jetzt gegenzusteuern, damit daraus kein großes Problem für Deutschland als Ganzes wird."