Die Bundesregierung wird am 30. Juni die umstrittene Hauptstelle für Befragungswesen (HBW) des Auslandsnachrichtendienstes BND auflösen. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die der ZEIT vorliegen. Die HBW hatte über einen Zeitraum von 56 Jahren in der Bundesrepublik geheimdienstlich gearbeitet.

Der NDR und die Süddeutsche Zeitung hatten im November 2013 berichtet, wie BND-Agenten systematisch Flüchtlinge aus Krisenregionen in Asylbewerberheimen befragen. Die Erkenntnisse über Kasernen oder Terrormilizen teilten die Deutschen auch mit den USA, die sie unter anderem für den Einsatz von Kampfdrohnen und für Flugzeugangriffe in Afghanistan oder Somalia nutzten. Die HBW hatte bei der Informationssammlung eine zentrale Rolle gespielt, indem sie Vorgespräche mit den Flüchtlingen führte und einen Teil von ihnen auch intensiv befragte. 

Statt weiterer Flüchtlingsbefragungen will der BND in Zukunft Nachforschungen "direkt in den Krisenregionen im Ausland" anstellen. Mit dem Ende der HBW soll auch eine besondere Form der Zusammenarbeit mit den USA und Großbritannien beendet werden, deren Agenten teilweise an den geheimdienstlichen Interviews in Deutschland beteiligt waren.