Bundeskanzlerin Merkel und Uli Hoeneß im September 2012 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz © Odd Andersen/AFP/GettyImages

Von der Bundeskanzlerin kommen lobende Worte für Uli Hoeneß, der auf eine Revision gegen seine Gefängnisstrafe verzichtet und den Rücktritt beim FC Bayern München verkündet hatte. "Die Tatsache, dass Uli Hoeneß jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab", sagte Angela Merkel während eines Termins mit den großen Wirtschaftsverbänden in München. Die Gerichtsentscheidung werde sie dagegen "natürlich nicht" kommentieren.  Zuvor hatte bereits Regierungssprecher Steffen Seibert darauf verwiesen, dass es "rechtsstaatliche Tradition sei, dass die Bundesregierung die Urteile der unabhängigen Justiz nicht bewertet.


Hoeneß hatte am Vormittag in einer persönlichen Erklärung mitgeteilt, dass er seine Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung akzeptiert. Zudem gab er mit sofortiger Wirkung den Präsidentenposten des Vereins FC Bayern München und den Aufsichtsratsvorsitz der Bayern München AG auf.

Dafür bekam er auch von der SPD Zuspruch. "Er zeigt damit auch Einsicht in seine Schuld", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. "Die Rechtsprechung hat dafür gesorgt, dass der ehrliche Steuerzahler nicht der Dumme ist." Das Urteil werde dem Rechtsempfinden der Bürger gerecht und sei fair. "Es gilt der Grundsatz: Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat", sagte Fahimi.


Am Donnerstag hatte das Landgericht München II sein Urteil gegen Hoeneß gesprochen und ihn der Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro schuldig gesprochen. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl befand, dass Hoeneß' Selbstanzeige unvollständig und deshalb unwirksam sei. Die Verteidigung legte zunächst Revision ein. Sie hatte gefordert, gegen Hoeneß höchstens eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Hoeneß' Verteidiger Hanns W. Feigen wollte mit einem neuen Prozess vor dem Bundesgerichtshofs (BGH) auch eine grundsätzliche Entscheidung: Die Kammer müsse prüfen, wie mit einer "nicht idealen Selbstanzeige" umzugehen ist.


Nun wird es dazu nicht kommen – zumindest nicht von Seiten der Verteidigung. Gleichwohl hat auch die Staatsanwaltschaft noch die Möglichkeit, das Urteil anzufechten und vor dem BGH in Berufung zu gehen. "Wir werden darüber Anfang nächster Woche entscheiden", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich. Erst wenn auch die Strafverfolgungsbehörde auf die Revision verzichtet, wäre die Verurteilung rechtskräftig und Uli Hoeneß müsste seine Haftstrafe antreten.