Ja, auch ich bin froh, dass der Kalte Krieg wieder da ist.

Ich gebe es ja zu: Als in den letzten paar Jahren meine Heimat USA immer wieder in fremde Länder einmarschiert ist, hatte ich heimlich meine Zweifel: Ist das wirklich nötig? Müssen wir denn wirklich immer die Weltpolizei spielen? Hat uns einer darum gebeten?

Jetzt aber, wo es jedermann klar ist, dass es tatsächlich Schurkenstaaten gibt, und das mitten in Europa, und durchaus mal Bedarf für einen Weltpolizisten da ist, sage ich mir: Gut, dass Amerika nie auf die Luschi-Friede-Freude-Eierkuchen-Pazifismus-Propaganda der Deutschen reingefallen ist.

Viele Amis sehen das genauso. Wollen Sie wissen, wie sich die Politik in Amerika in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird? Ich sehe es schon kommen:

Politiker, Medienkommentatoren und irgendwann einfach alle werden zunehmend die schwache und ineffektive Außenpolitik Obamas kritisieren und immer lauter ein "starkes Amerika" fordern. Das wird sich in der Präsidentschaftswahl in zwei Jahren niederschlagen: Nicht Hillary werden wir wählen, sondern einen neuen Bush Jr. oder gar einen Reagan, und wieder mal wird Amerika sich als Beschützer der Demokratie auf der ganzen Welt sehen.

Aber kein Ami freut sich so sehr auf den wiedergekehrten Kalten Krieg wie die Deutschen.

Die Deutschen hatten in den letzten paar Jahren die Gelegenheit, den Kalten Krieg für immer zu überwinden. Sie haben sie sehenden Auges verschenkt.

Es gab seit dem Irakkrieg – und vor allem seit der Finanzkrise 2008/9 – ein kurzes Zeitfenster, in dem Amerika schwach und Deutschland stark war. Das war der Moment, in dem Deutschland die Verantwortung für Europa an sich hätte reißen können. Was heißt hier "können"? Müssen! Denn die EU ist vor allem ein deutsches Projekt, und Deutschland – als dem wirtschaftlichen Motor Europas – kommt die größte Verantwortung zu.

Doch das war den Deutschen zu viel Stress. Ein bisschen Geld haben sie halbherzig für Griechenland locker gemacht, aber als die ganze Welt – allen voran wir Amis – auf Knien darum gebettelt hat, Deutschland möge bitte, bitte endlich eine aktivere Rolle in Europa übernehmen, passierte nichts.

Nun ist das Zeitfenster wieder geschlossen. Die EU liegt ohne kohärente Wirtschafts- oder Außenpolitik halbfertig und hilflos da; Putin hat die Chance ergriffen, sein Gegenprojekt "Groß-Russland" aktiv auszubauen, und die Amis sehen, dass niemand die Probleme Europas lösen wird, wenn nicht sie.

Nur wir Amerikaner können eine Grenze zum Osten ziehen und sie auch verteidigen. Also verhängen wir Sanktionen gegen Russland und schicken Kampfjets nach Polen und Litauen. Sie lächeln nur noch müde, wenn Frau Merkel die Möglichkeit in Aussicht stellt, dass sie beim nächsten G8 in Sotschi gar nicht auftaucht. Zumindest nicht persönlich. Vielleicht. Wer es noch nicht kapiert hat: Das ist Diplomatendeutsch für "Amerika, übernehmen Sie."