Als in der CDU-Parteizentrale an diesem Freitagvormittag die Wahlplakate für den Europawahlkampf vorgestellt wurden, konnte man sich in einer Zeitschleife wähnen: Von einem der vier kleinformatigen Parteiplakate lächelt einem die Kanzlerin entgegen: "Gemeinsam erfolgreich in Europa" – lautet die Botschaft.

Nanu, hat man das nicht schon mal gesehen? Ein Blick ins Bildarchiv belegt: Man hat. Im Bundestagswahlkampf benutzte die CDU nicht nur exakt dieselben Worte, Angela Merkel scheint auf dem Plakat, das damals die Straßenränder schmückte, sogar dasselbe blaue Jackett zu tragen – und sogar die gleiche Halskette.

Nur der Zusatz "in Europa" fehlte damals, auch die Köpfe im Hintergrund sind nicht mehr da. Und doch stellt sich die Frage: Was soll das? Ist der neue Generalsekretär Peter Tauber so sparsam, dass er einfach alte Plakate recycelt oder ist es schlicht Einfallslosigkeit?

Doch die Erklärung ist einfacher. Die Partei setzt im Europawahlkampf einfach voll auf das, was sich bewährt hat: Die Popularität der Kanzlerin ist auch bei diesem Wahlkampf der wichtigste Trumpf der Partei. 

Die Spitzenkandidaten als Randfiguren

Dass Merkel gar nicht zur Wahl steht, spielt da keine Rolle. "Es gibt keine Politikerin in Deutschland, die so sehr mit den Herausforderungen in Europa verbunden wird und so sehr dafür steht, dass Deutschland in Europa erfolgreich und gemeinsam mit anderen die Probleme bewältigt, wie Angela Merkel", erläutert der Generalsekretär das Konzept.

Die angeblich so wichtigen Spitzenkandidaten bleiben daneben Randfiguren: Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident David McAllister, der als nationaler Spitzendkandidat der CDU fungiert, kommt in der ersten Plakatwelle gar nicht vor, soll aber immerhin auf künftigen Plakaten zu sehen sein.

Noch schmählicher geht die Partei mit dem europäischen Spitzenkandidaten der Konservativen, dem ehemaligen luxemburgischen Premier Jean Claude Juncker, um. Dabei hat dieser immerhin die Chance, künftig Chef der EU-Kommission zu werden. Juncker werde auf keinem der deutschen Plakate zu sehen sein, kündigt Tauber an. Wie sehr man ihn gleichwohl schätze, zeige sich daran, dass er auf dem Europa-Parteitag der CDU am Samstag reden werde.

Juncker wollte Euro-Bonds

Doch auch der dortige Zeitplan spricht eine deutliche Sprache: Für Juncker sind zehn Minuten reserviert, für McAllister 15, die Kanzlerin wird dagegen einschließlich Aussprache 90 Minuten zu den Delegierten sprechen.

Dass Juncker im Wahlkampf der CDU keine herausgehobene Rolle spielen wird, liegt aber nicht nur daran, dass er in Deutschland weitgehend unbekannt ist. "Keine Euro-Bonds in Europa", heißt nämlich eine der zentralen Forderungen, mit der die CDU sich im Wahlkampf als Stabilitätsanker präsentieren will. Auf einem Werbezettel wird aufgezählt, wer sich alles für die Vergemeinschaftung von Schulden ausgesprochen habe: die Sozialdemokraten, die Grünen, die Linken. Aber ups, tatsächlich war da noch einer: der konservative Spitzenkandidat Juncker. Das verschweigt die Broschüre vornehm.

Weil Juncker sich erst neulich wieder gemeinsam mit dem sozialdemokratischen Europa-Spitzenkandidaten Martin Schulz für Euro-Bonds aussprach, wurde bereits gemutmaßt, die große Koalition bereite bereits einen politischen Wechsel vor, der dann nach der Wahl vollzogen werden solle. Tauber weist dies allerdings klar zurück. "Mit der CDU wird es keine Euro-Bonds geben", versichert er.

Unter diesen Umständen ist der konservative europäische Spitzenkandidat für die CDU dennoch nicht besonders einfach zu verkaufen. Da setzt man dann doch lieber auf die Kanzlerin.