Die Mehrheit der Deutschen hat große Zweifel gegenüber dem geplanten Freihandelsabkommen (TTIP) mit den USA. Nur 45 Prozent der Deutschen finden, es sei eine gute Idee, Standards für Produkte und Dienstleistungen zwischen den USA und der EU anzugleichen. Das ergab eine Umfrage des amerikanischen Pew-Forschungszentrums und der Bertelsmann-Stiftung. Demgegenüber befürworten 76 Prozent der US-Bürger einheitlichere Standards. Mit dem TTIP wollen Europäer und Amerikaner ihre Handels- und Wirtschaftsbeziehungen vertraglich regeln, inbegriffen Investitionen, Dienstleistungen oder den Umgang mit Kulturgütern.

Zwar finden 55 Prozent der deutschen Bevölkerung, das Freihandelsabkommen sei eine "gute Sache". Doch "die generelle Unterstützung des Freihandelsabkommens bedeutet nicht, dass die Mehrheit hinter den wichtigsten Verhandlungszielen steht", heißt es in einem Kommentar zu der veröffentlichten Studie.

Die Umfrage zeigt, dass sich die Deutschen vor allem um ihr Essen sorgen. 94 Prozent vertrauen bei der Lebensmittelsicherheit auf die EU-Standards, nur zwei Prozent auf die der USA. Auch im Datenschutz vertrauen 85 Prozent der Deutschen eher auf die Regelungen in Europa. 

Die Amerikaner sind mit ihren eigenen Gesetzen zur Datensicherheit und dem Verbraucherschutz unzufriedener. Allerdings fordern auch sie in den meisten Politikfeldern, dass ihre eigenen Gesetze gelten sollen. So bevorzugen 67 Prozent der Amerikaner die Lebensmittel-Regelungen auf dem heimischen Markt.

In Deutschland hatte es in den vergangenen Wochen viel Kritik am Freihandelsabkommen gegeben. Kritiker bemängelten den intransparenten und undemokratischen Stil der Verhandlungen. Die Grünen veröffentlichten vertrauliche Dokumente, die EU-Politiker auf die Gespräche mit der US-Delegation vorbereiten sollten. Zuvor hatte  ZEIT ONLINE ein Papier der EU-Kommission veröffentlicht.

Auch die möglichen Konsequenzen eines Abkommens haben Aufsehen erregt. Verbraucherschutzverbände warnten vor sogenannten Chlor-Hähnchen und genmanipulierten Lebensmitteln. Außerdem stehen Investitionsschutz-Klauseln in der Kritik, die Konzernen ermöglichen könnten, von Staaten Schadensersatz in Milliardenhöhe einzuklagen.