Kurz nach ihrem Einzug ins Europaparlament steht die eurokritische Alternative für Deutschland vor der Spaltung. Offenbar plant eine größere Gruppe von liberalen AfD-Mitgliedern, geschlossen die Partei zu verlassen. "Wir werden gemeinsam austreten, und wir werden viele sein", sagte ein AfD-Funktionär der ZEIT. 

"Wenn der problematische Teil ein solch starkes Übergewicht hat, dann ist es sinnvoll, dass die Liberalen austreten", sagte ein hochrangiges Parteimitglied mit Blick auf starke nationalliberale und rechtspopulistische Kräfte innerhalb der AfD. Ein anderes Mitglied, das die Partei ebenfalls verlassen will, sagte: "Wir haben uns gewünscht, dass die AfD eine etwas konservativere FDP wird, aber man hat uns betrogen."

Streit hatte es in den vergangenen Wochen vor allem um die russlandfreundliche außenpolitische Linie der AfD gegeben – und um die Frage, ob die AfD im Europaparlament ein Bündnis mit der rechtspopulistischen UKIP aus Großbritannien eingehen soll. Das liberale Kernthema der AfD, der Austritt aus dem Euro, ist in den Hintergrund geraten – zugunsten von konservativen Reizthemen wie Familien- und Einwanderungspolitik.

Lucke sind Austrittsabsichten nicht bekannt

AfD-Sprecher Bernd Lucke sagte zu den Austrittsankündigungen auf Anfrage von ZEIT ONLINE: "Von diesen Absichten ist uns nichts bekannt." Die Alternative für Deutschland habe sehr viele liberale Mitglieder. "Darüber hinaus findet man viele liberale Positionen in unseren politischen Leitlinien und in unserem Europawahlprogramm", sagte Lucke. Parteipressesprecher Christian Lüth sprach von steigenden Mitgliederzahlen.

Nach dem Erfolg bei der Europawahl seien mehr als 200 neue Mitglieder aufgenommen worden. "Vor dem Hintergrund von nun fast 20.000 Mitgliedern fallen einige wenige Austritte nicht mehr sonderlich ins Gewicht."

Der Impuls für die Austrittswelle könnte von der Liberalen Vereinigung kommen, einem Verein, den Mitglieder von AfD und FDP kurz vor der Europawahl gegründet hatten. Im Vorstand sitzen der ehemalige Landeschef der AfD von Nordrhein-Westfalen, Alexander Dilger, und das ehemalige AfD-Bundesvorstandsmitglied Dagmar Metzger. "Über kurz oder lang wird der Austritt für viele liberale AfDler unumgänglich sein", sagte der Generalsekretär des Vereins, der baden-württembergische AfD-Funktionär Marcus Mattheit.

Auch über die Gründung einer neuen Partei wird nach Informationen der ZEIT gesprochen – unter anderem mit Frank Schäffler, dem prominentesten Eurokritiker der FDP.