Die Satire-Partei Die Partei hat bei der Europawahl einen Sitz im Parlament bekommen. Parteichef Martin Sonneborn ist der gewählte Abgeordnete, will aber schon nach einem Monat sein Amt wieder abgeben. "Ich werde mich vier Wochen lang intensiv auf meinen Rücktritt vorbereiten", sagte er.

Damit will der frühere Chefredakteur der Titanic eine Rotation einleiten. Der Plan: Die Parteimitglieder sollen monatlich zurücktreten, um 60 Kollegen "durchzuschleusen durch das EU-Parlament", vor allem wegen des Geldes. Jedes Mitglied solle sich "einmal für 33.000 Euro im Monat" Brüssel anschauen können, sagte Sonneborn. Inklusive Übergangsgeld für sechs Monate.

"Wir melken also die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat." Seltsam findet der Real-Satiriker das alles jedoch nicht: "Ich glaube nicht, dass wir die Verrücktesten sind im Europaparlament." 

Die Partei war mit einem vielfältigen Programm zur Europawahl angetreten. Von der Einführung einer Faulenquote, über ein Existenzmaximum von einer Million Euro für jeden bis zur Einführung des Wahlalters für alle Bürger zwischen 12 und 52. Außerdem wollen Sonneborn und seine Kollegen eine Mauer um die Schweiz bauen.

Die Partei bekommt einen Sitz im Parlament weil es bei dieser Wahl keine Sperrklausel gab. Nach Angaben des Bundeswahlleiters Roderich Egeler stimmten etwa 180.000 Bürger in Deutschland für Sonneborns Partei. Das entspricht 0,6 Prozent der Stimmen – und einem Sitz. Insgesamt sind 14 deutsche Parteien im neuen Parlament in Straßburg vertreten – mit einer Drei-Prozent-Hürde wären es nur sieben gewesen.

Ausschuss muss Rücktritt prüfen

Egeler wollte die Ankündigung von Sonneborn nicht kommentieren. Die Bewertung sei dem Bürger zu überlassen, sagte er.

Das Europäische Parlament reagierte prompt: Aus Sonneborns Plänen werde nichts werden, hieß es in einer Stellungnahme. Parlamentarier hätten erst nach einem Jahr Anspruch auf Übergangsgeld. Laut Geschäftsordnung kann Sonneborn außerdem nicht alleine bestimmen, ob sein Sitz frei wird – dies müsse das Parlament feststellen, nachdem ein Ausschuss seinen Rücktritt geprüft hat.