Der frühere NPD-Bundeschef Holger Apfel hat sich erstmals zu den Gründen seines Rückzugs aus der NPD geäußert. Die Partei habe sich als "nicht reformierbar" erwiesen, sagte er der Mallorca-Zeitung. Deswegen habe er sich "nach jahrelangen Streitigkeiten und Intrigen" schließlich zurückgezogen. 

Mitte 2013 war in der Partei der Vorwurf aufgekommen, Apfel habe ein Mitglied sexuell belästigt. In der als homophob geltenden NPD bedeutete das sein Karriereende.

Zudem hatte Apfel zahlreiche parteiinterne Gegner: Vielen Nationaldemokraten fehlte nach Apfels Amtsantritt als Bundeschef die Radikalität seines Vorgängers Udo Voigt. Zu milde, zu angepasst, lautete das Urteil der Kritiker. Denn der heute 43-jährige Hildesheimer plante, die NPD zu einer bürgerlichen Partei zu formen – weg von dem Extremismus völkischer Kameradschaften.

Aufgrund des erheblichen Drucks legte Apfel Weihnachten 2013 alle Ämter nieder, auch sein Abgeordnetenmandat im sächsischen Landtag. Außerdem trat er aus der NPD aus und nannte offiziell "gesundheitliche Gründe". Über den angeblichen Übergriff auf einen Parteikollegen sagte Apfel in dem Interview, daran könne er sich "alkoholbedingt" nicht mehr erinnern.

Apfel ist jetzt Gastwirt auf Mallorca. Mit seiner Frau Jasmin betreibt er seit Mitte Mai Maravillas Stube – Restaurant bei Jasmin und Holger, wie der Dortmunder Kreisverband der konkurrierenden Partei Die Rechte öffentlich machte.

In seinem Restaurant solle es ganz und gar unpolitisch zugehen, sagte Apfel. Jeder sei willkommen, "auch Linke oder Menschen anderer Nationalitäten". Er bekennt sich aber unverändert zu Slogans wie "Masseneinwanderung stoppen". In deutschen Ballungszentren "muss kontrollierte Einwanderung durchaus ein Thema sein", sagte Apfel, nunmehr selbst Einwanderer.

Apfels Rückzug von der NPD war nur eine Auswirkung vieler parteiinterner Probleme: Auch andere Spitzenleute gaben entnervt ihre Posten auf, etwa im März die Vorsitzende des Rings Nationaler Frauen, Sigrid Schüßler. Die Parteikassen sind so leer, dass die Verbände mehrmals Personal entließen. Und beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe liegt ein Antrag der Bundesländer auf ein Verbot der Partei vor.