Trotz der Korrekturen am Rentenpaket bleibt die Wirtschaft bei ihrer Kritik. Die Reform führe mittelfristig zu steigenden Beitragssätzen und einem sinkenden Rentenniveau, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, der Nordwest-Zeitung. "Hier wird mit vollen Händen das Geld ausgegeben, das Wirtschaft und Beschäftigte in den vergangenen Jahren erwirtschaftet und in die Rentenkasse eingezahlt haben – eine vertrauensbildende Maßnahme ist das nicht." Das Rentenpaket soll am Freitag im Bundestag verabschiedet werden.

Wansleben kritisierte insbesondere die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren. Die Nachbesserungen würden nur einen Teil des Problems beseitigen. Die Koalition hatte sich unter anderem auf einen rollierenden Stichtag geeinigt. Das bedeutet, dass der Bezug von Arbeitslosengeld in den letzten zwei Jahren vor Renteneintritt nicht als Beitragsjahre gezählt wird. So soll verhindert werden, dass Arbeitnehmer mit 61 Jahren aufhören zu arbeiten, anschließend zwei Jahre arbeitslos sind und dann in die Rente mit 63 gehen.

"Mit einer rollierenden Stichtagsregelung kann der Ausstieg mit 61 Jahren zwar verhindert werden. Doch heilt dies die Fehler der abschlagfreien Rente mit 63 nicht", sagte Wansleben. Diese sei gerade mit Blick auf die Demografie falsch. Sie verschärfe den Fachkräftemangel in Betrieben. 

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verteidigte das Rentenpaket: Von den Neuregelungen profitierten mehr als zehn Millionen Menschen. "Insgesamt ist das solide finanziert", sagte Nahles im Deutschlandfunk. Die Rentenbeiträge müssten dafür nicht erhöht werden. "Das ist kein ungedeckter Scheck auf die Zukunft." Die Rente mit 63 als eine der Neuregelungen mache nur 0,6 Prozent der gesamten Rentenausgaben aus.

Die CSU-Landesgruppe ist mit dem Kompromiss dagegen weitgehend zufrieden. Es seien wichtige Korrekturen durchgesetzt worden, sagte die Vorsitzende der CSU-Bundestagsabgeordneten, Gerda Hasselfeldt, nach Angaben von Teilnehmern am Montagabend bei einer Landesgruppensitzung in Berlin. Mit Blick auf die am Freitag anstehende Abstimmung im Plenum sei breite Zustimmung signalisiert worden. Nur sehr wenige Abgeordnete seien noch unentschieden.