Wenn Sie politische Neuigkeiten erwarten, gehen sie bitte weiter. Sie werden in diesem Text nichts Neues erfahren. Leider, denn es soll hier um die Generaldebatte im deutschen Bundestag gehen, einst Höhepunkt des politischen Streits in Deutschland. Es waren dann vier Stunden genereller Egalheit.

Dabei ist es ja nicht so, dass all diese wichtigsten Politiker unwichtige Dinge gesagt hätten. Gregor Gysi zum Beispiel, der als Oppositionsführer die Debatte eröffnet, erregt sich darüber, dass deutsche Firmen mit Genehmigung der Regierung so viele Waffen ins Ausland verkaufen. Jüngst zum Beispiel eine ganze Panzerfabrik nach Algerien.

Man muss das nun nicht so sehen wie der Linke-Chef, aber es ist doch sicher eine wichtige Frage, wem Deutschland Waffen in die Hand gibt. Nur hatte Gysis Kollege Jan van Aken vor einer Woche schon das Gleiche gesagt und den Fabrik-Export einen "totalen Kontrollverlust" genannt. Sein Chef wiederholt das nun nur noch einmal, so wie er und alle anderen Redner überhaupt ihre Minuten damit füllen, die vielen kleinen Debatten und Streitereien der vergangenen Tage und Wochen nochmal zu wiederholen.

Das ist der erste Grund für die Langweile: Auch die Welt außerhalb des Bundestages ist längst voller Politikersätze. Da haben es ein paar mehr Sätze, diesmal halt von der offiziellen Politikerkanzel aus gesprochen, schwer, noch aufzufallen. Eine Inflation der Worte: Je mehr den Markt fluten, desto weniger fallen einzelne auf.

Die Welt wartet nicht auf den Bundestag

Nun gibt es ja, anders als bei Geldinflation, zum Glück keine Zentralbank für Aufmerksamkeitsregulierung, die den Ausstoß von Politikersätzen regulieren könnte. Die Beschleunigung ist ja auch natürlich: Wenn heute Wladimir Putin etwas tut oder ein Ministerium einen Gesetzentwurf vorlegt, warum sollen Medien dann auf die nächste Plenardebatte warten, anstatt die Politiker direkt nach ihren Positionen zu fragen? Die Welt wartet nicht auf den Bundestag. Deshalb sieht der Bundestag oft alt aus. Abgehängt.

Die Redner in der Generaldebatte könnten das wettmachen durch große Bögen, durch Dramaturgie. Anders als am Telefon mit Journalisten oder in zehn Tagesschau-Sekunden haben sie hier die Zeit dafür, bis zu einer halben Stunde. Dass sie das können, haben beispielsweise Kanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück schon bewiesen.

Heute aber redet Steinbrück nicht und Gysi und Merkel und alle anderen wollen nicht so reden. Der Linke hat seine Rede in Einzelattacken aufgeteilt. Zur Rente, zu Finanzpolitik, zu den Waffenexporten und zur Europapolitik. Kleine Portionen Politik. Gysi sagt wirklich: "Ich komme nun zur Europapolitik."   

Merkel hält eine Rede, die keine ist: Das ist ein zentrales Anliegen. Es wird eine Herkulesaufgabe sein. Wir stehen aus Überzeugung dazu. Klare Leitplanken und Flexibilität. Sprachförmchen sind das, die die Sprecherin eher verdecken, und in die sie dann beliebig Themen füllt: Ukraine, Europawahl, Mütterrente. Freundlicher Applaus von den übergroßen Regierungsfraktionen.