Die CDU soll bunter, weiblicher und jünger werden, so fasste Generalsekretär Peter Tauber am Montag in Berlin die Ziele der von ihm geplanten Parteireform zusammen. Das mutet, zumindest was die Frauen angeht, auf den ersten Blick seltsam an. Schließlich wird die CDU seit nunmehr vierzehn Jahren von einer Frau geführt und hat Deutschland die erste Kanzlerin seiner Geschichte beschert.

Auch jenseits von Angela Merkel haben sich in den vergangenen Jahren Frauen in die erste Reihe hochgearbeitet: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist nur die Bekannteste von ihnen, doch auch im Saarland und in Thüringen regieren Ministerpräsidentinnen mit CDU-Parteibuch und die rheinlandpfälzische Landeschefin Julia Klöckner gilt ebenfalls als Aushängeschild der Partei. Doch der Blick in die Mitgliederkartei zeigt ein anderes Bild: Insgesamt ist nämlich nur etwa ein Viertel der Mitglieder weiblich. Und das ist nicht das einzige Problem: Der Altersdurchschnitt liegt bei 59 Jahren. Prominente Migranten fehlen weitgehend.

Die Zahl der Mitglieder geht seit Jahren zurück. Hatten die Christdemokraten zu Beginn der 1990er Jahre noch 750.000 Mitglieder, sind es derzeit nur noch 467.000. Allein in den vergangenen vier Jahren verlor die Partei 57.000 Mitglieder, und das obwohl monatlich etwa 1.000 Menschen neu eintreten.  

Bei der vergangenen Bundestagswahl hat diese Struktur der Partei nicht geschadet. Mit 41,5 Prozent erzielte die CDU ihr bestes Ergebnis seit Langem und schnitt auch bei den weiblichen und jungen Wählern am besten ab.  

Wer klebt die Plakate?

Tauber will sich damit allerdings nicht zufriedengeben. Wenn die Entwicklung so weitergehe wie derzeit, werde die CDU sich von einer Mitglieder- zur Funktionärspartei wandeln, warnte er. Und wer sollte dann vor Ort die Wahlplakate kleben?

Das freilich dürfte das geringste Problem sein. Doch die schwindende Zahl der Mitglieder bedroht eben auch den Status der CDU als Volkspartei und damit langfristig die Wahlerfolge.

Das Parteipräsidium hat deswegen nun eine Reformkommission eingesetzt, die Vorschläge für neue Beteiligungsformen machen soll. Außerdem soll unter der Leitung der Vize-Vorsitzenden Julia Klöckner, Armin Laschet und Thomas Strobl die Programmarbeit zu den Themen Nachhaltigkeit, Bürgergesellschaft und Arbeit vorangetrieben werden. Auf diese Weise will die CDU verhindern, dass die SPD, die in der Regierung die imageträchtigen Ressorts Familie, Arbeit und Wirtschaft besetzt, die Debatte in diesen Fragen allzu sehr dominiert.  

Wie genau Reformen aussehen könnten, wollte Tauber am Montag noch nicht sagen. Er will nun vielmehr ein halbes Jahr lang "in die Partei hineinhören", um zu erfahren, "was sich die Mitglieder wünschen". 

Online mitreden

Klar ist aber, dass das Internet eine zentrale Rolle bei der Parteireform spielen soll. Ein Viertel der neuen Mitglieder träte mittlerweile online ein, sagte Tauber. Zudem habe nicht jeder der Neuzugänge ein Interesse daran, im Ortsverband über kommunale Angelegenheiten zu diskutieren. Ein Facharzt beispielsweise solle die Gelegenheit haben, seinen Fachverstand gleich mit Gesundheitsminister Herrmann Gröhe zu teilen. Onlineforen und Kommissionen sollen dies ermöglichen.

Allzu weit will man aber auch wieder nicht gehen. Die CDU sei keinesfalls die neue Piratenpartei, betonte CDU-Vize Klöckner nach der Sitzung, selbst wenn sie zugleich ankündigte, die von ihr geleitete Kommission zum Thema Nachhaltigkeit mit einem Onlineportal auszustatten.

Ob die CDU sich auch einen Mitgliederentscheid über den oder die künftige Kanzlerkandidatin vorstellen kann, blieb vorerst offen. Tauber hatte dies im Spiegel nicht ausgeschlossen, in den Gremien habe das Thema aber keine Rolle gespielt, hieß es. Derzeit habe man schließlich eine Kanzlerin und wenn diese es noch mal machen wolle, wovon alle ausgehen, "klatschen wir und sind begeistert", sagte ein Präsidiumsmitglied. Dass Merkel sich vor der Wahl 2017 in einer Urwahl gegen einen Gegenkandidaten durchsetzen muss, ist also nicht zu erwarten.