In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Parteichefs der Linken, Katja Kipping und Bernd Riexinger, und Fraktionschef Gregor Gysi von der Abgeordneten Sevim Dagdelen distanziert. Anlass war eine Äußerung Dagdelens im Bundestag (siehe Video ab etwa Minute 1:07:00). In einer Debatte über den Umgang mit Rechtsextremen in der Ukraine hatte die Abgeordnete mit Bezug auf Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt von "Verbrechern" gesprochen.

Dagdelen, die dem linken Rand ihrer Partei angehört, warf Göring-Eckardt nach deren Rede eine Verharmlosung von rechten und antisemitischen Parteien in der Ukraine vor. "Es entsetzt mich, ich bin darüber wirklich schockiert, dass Sie hier die Behauptung aufstellen, dass sich mit den geringen Stimmenzahlen für die Kandidaten der Swoboda oder des Rechten Sektors das Problem des Neofaschismus, das Problem des Antisemitismus in der Ukraine erledigt habe." Sie zitierte in diesem Zusammenhang Bertolt Brecht: "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher."

Bei den Grünen, aber auch bei den anderen Parteien, sorgten die Worte Dagdelens für Empörung. Göring-Eckardt selbst hatte sich im Plenum verärgert über ihre Kritik gezeigt und von einer "absurden Unterstellung" gesprochen. "Niemand wird Faschisten unterstützen wollen", sagte die Grünen-Politikerin in Bezug auf den "Verbrecher"-Vorwurf der Linken-Abgeordneten.

In der Erklärung von Kipping, Riexinger und Gysi, heißt es nun, die Parteispitze distanziere sich von der Äußerung Dagdelens. Zwar sei ihre Kritik in der Sache durchaus legitim. "Eine solche Kritik rechtfertigt aber keinesfalls, der Abgeordneten Göring-Eckardt ein Verbrechen zu unterstellen, sie damit als Verbrecherin darzustellen", erklärten die Linken-Spitzenpolitiker.

Für eine Entschuldigung sieht die 38-jährige Dagdelen, die seit 2005 im Bundestag sitzt, indes "keinerlei Anlass". Sie nehme die Rüge zur Kenntnis. Die Abgeordnete bedauerte, dass die Partei- und Fraktionsführung nicht das Gespräch mit ihr gesucht habe. Nach ihren Angaben gab es auch keinen Kontakt zu Göring-Eckardt.