Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg ist Ehrenbürger von Berlin. Der Vorschlag der Linken, den Wegbereiter von Adolf Hitler von der Ehrenbürgerliste Berlins zu streichen, hat eine Debatte im Abgeordnetenhaus ausgelöst. Die Regierungsfraktionen SPD und CDU stimmten dem Antrag nicht zu. Sie verteidigten Hindenburg als Demokraten, den man nicht einfach "als Steigbügelhalter Hitlers" diffamieren dürfe.

Vertreter der Opposition aus Grünen, Linken und Piraten kritisierten Rot-Schwarz scharf. Die Abgeordnete der Linken Katrin Lompscher warf CDU und SPD auf Twitter "Geschichtsvergessenheit" vor, die Piratenfraktion spricht von einer "Unverschämtheit" beider Parteien. 

Dortmund, Köln, Halle, Leipzig, München und Stuttgart haben Hindenburg die Ehrenbürgerwürde bereits entzogen. Der Antrag der Berliner Linken wurde in den Kulturausschuss überwiesen.

Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Drei Monate später, am 20. April 1933 wurde die Liste der Berliner Ehrenbürger um die Positionen 58 (Paul von Hindenburg) und 59 (Adolf Hitler) erweitert. Der Reichspräsident und der Reichskanzler wurden für "ihre Verdienste um die nationale Wiedergeburt der Stadt Berlin" gewürdigt. 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs sei es überfällig, diesen "Militaristen und Wegbereiter Hitlers" aus der Galerie derer zu entfernen, "auf die Berlin stolz sein kann", heißt es in dem Antrag. 

Auf der Liste der Berliner Ehrenbürger standen auch andere führende Politiker des Dritten Reichs wie Propagandaminister Joseph Goebbels, Luftwaffen-Oberbefehlshaber Hermann Göring oder Innenminister Wilhelm Frick – allen wurde die Ehrenbürgerschaft bereits am 16. Dezember 1948 aberkannt. Hindenburg steht bis heute auf der Liste.