Seit Jahrzehnten ist kein neues Waffensystem in Deutschland so aufgeregt diskutiert worden wie bewaffnete Drohnen, unbemannte, ferngesteuerte Flugzeuge also, die mit Raketen in eine militärische Auseinandersetzung eingreifen können. Die Entscheidung, ob die Bundeswehr mit solchen Kampfdrohnen ausgerüstet werden soll, spaltet die schwarz-rote Koalition ebenso wie die Öffentlichkeit.

Die öffentliche Wahrnehmung des Einsatzes von bewaffneten Drohnen wird durch eine völkerrechtlich zumindest umstrittene Grauzone bestimmt. In Pakistan, im Jemen und in Somalia setzen die USA diese unbemannten Flugzeuge ein, um gezielt Menschen zu töten, die sie als Terroristen ansehen – auch außerhalb von Kriegsgebieten. Und nehmen dabei auch in Kauf, unbeteiligte Zivilisten umzubringen. Geflogen werden diese Maschinen dabei vom US-Geheimdienst CIA, nicht von den Streitkräften.

Mit dieser Wahrnehmung sieht sich auch die Bundeswehr konfrontiert, wenn Luftwaffeninspekteur Karl Müllner für die Anschaffung solcher Remotely Piloted Aircrafts, ferngesteuerter Luftfahrzeuge, für die deutschen Streitkräfte plädiert. Aus Sicht der deutschen Soldaten, die zum Beispiel in Afghanistan den Einsatz von Kampfdrohnen erlebten, sieht das allerdings ganz anders aus.

Besserer Schutz für die Soldaten

Er sei immer froh gewesen, wenn er wusste, dass eine deutsche Patrouille von einer US-Drohne begleitet wurde, die ihm im Notfall auch Feuerschutz geben konnte, berichtet ein Bundeswehr-Hauptmann, der am Hindukusch eine Einsatzkompanie führte. Denn aus militärischer Sicht hatten die "Augen am Himmel" einen großen Vorteil gegenüber der – auch möglichen – Unterstützung durch Jagdbomber oder Kampfhubschrauber: Geriet die Patrouille in einen Hinterhalt, konnten die Drohnen sofort mit ihren Raketen eingreifen. Flugzeuge und Helikopter mussten dagegen erst angefordert, der Luftraum für sie frei gemacht werden – ein Zeitunterschied von bis zu einer halben Stunde, der für Soldaten unter Beschuss den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten konnte.

Kurz erklärt - Wie Kampfdrohnen aus der Ferne angreifen Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben die USA mit Drohnenangriffen in Afghanistan begonnen. Wie Kampfdrohnen funktionieren, erklärt dieses Video.

Die Schutzfunktion betont die Bundeswehr deshalb immer wieder in der Debatte über die bewaffneten Drohnen. Die Kritik, der Pilot am Joystick entscheide nur aufgrund seines Videobildes über den tödlichen Schuss, läuft ins Leere: Der Pilot eines Kampfjets, der Kilometer vor dem Ziel seine Waffe ausklinkt, hat kein besseres Bild von dem, was am Boden vorgeht. Und erst recht weniger Einblick hat die Mannschaft eines Artilleriegeschützes, die auf Anforderung ihre Granaten auf ein 20 oder 30 Kilometer entferntes Ziel abfeuert, von dem sie nur die Koordinaten kennt.

Hinzukommt, auch das betonen die Befürworter in der Bundeswehr immer wieder, dass für sie ganz andere Regeln gelten als für die USA und ihren Drohnenkrieg. Deutschland hat eine Parlamentsarmee, gezielte Tötungen außerhalb eines vom Bundestag mandatierten Kampfeinsatzes kämen für die Bundeswehr schon aus rechtlichen Gründen nicht infrage. In diesem Sinne unterscheiden sich Kampfdrohnen nicht von bewaffneten Flugzeugen oder Hubschraubern. 

Und im Unterschied zu den Amerikanern steuern die Luftwaffenpiloten ihre Remotely Piloted Aircrafts nicht über Zehntausende von Kilometern aus dem heimischen Standort, sondern aus dem Kontrollcontainer im Einsatzgebiet.