Mit den Worten "Wir haben gute Nachrichten" haben Forscher der Universität Leipzig ihre Studie über rechtsextremistische Einstellungen vorgestellt. Aussagen wie "Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen" stimmen demnach weniger Menschen zu als noch vor zwei Jahren. Dennoch ist jeder Fünfte in der Bundesrepublik ausländerfeindlich und jeder Zwanzigste auch antisemitisch eingestellt. Seit 2002 werden im Abstand von zwei Jahren rechtsextreme Einstellungen in Deutschland gemessen.

Stark abgenommen haben rechtsextreme Meinungen. 2002 hatten noch etwa 10 Prozent der Bevölkerung ein rechtsextremes Weltbild, aktuell sind es 5,6 Prozent. Auch der Unterschied zwischen den alten und den neuen Bundesländern hat sich verringert. Im Osten sind rechtsextreme Einstellungen weit weniger verbreitet als vor zwei Jahren: 2012 wurde dort die Ausländerfeindlichkeit mit einem Wert von 38,7 Prozent beziffert, der höchste seit Beginn der Studie. 2014 lag er bei 22,4 Prozent, in den westlichen Bundesländern liegt er bei 17 Prozent.

 Zwar sinkt Ausländerfeindlichkeit in Deutschland, aber für einige Migrantengruppen sei ein gegenläufiger Trend zu verzeichnen, sagte Diplompsychologe Oliver Decker. Betroffen seien Muslime, Asylbewerber und Sinti und Roma. Letztere Gruppe ist besonders von Abwertung betroffen. Dem Satz "Sinti und Roma neigen zur Kriminalität" stimmte mehr als jeder Zweite befragte zu. 73,5 Prozent der Westdeutschen und 84,7 Prozent der Ostdeutschen äußerten sich abwertend über Asylbewerber.

Mehr Bildung, weniger Rechtsextremismus

"Die Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus" nennt der Forscher Elmar Brähler Ausländerfeindlichkeit. Sie sei besonders dort verbreitet, wo weniger Migranten leben – wie in den neuen Bundesländern. Der Rückgang der Zahlen im Osten war für ihn ein überraschendes Ergebnis.

Weniger überraschend war für die Forscher, dass Bildung vor Rechtsextremität schützt. Befragte mit Abitur stimmen rechtsextremen Aussagen weit weniger häufig zu als solche ohne. Nur 6,8 Prozent der Befragten mit Abitur sind laut Studie ausländerfeindlich eingestellt. Bei den Befragten ohne Abitur liegt der Anteil bei 20,8 Prozent.