Die Bundeswehr möchte in Zukunft soziale Medien in Echtzeit ausforschen können. Durch die Beobachtung von Tweets, Facebook-Likes und Postings sollen Informationen erhoben werden, die für die Abwehr von Gefahren wichtig seien. Aus der Verbindung dieser Daten mit bereits vorhandenen Datenbanken sollen vorhersagende Schlussfolgerungen möglich werden, vermuten Experten. Dafür hat das Verteidigungsministerium im Mai 2014 ein Forschungsprojekt mit einem Fraunhofer Institut in der Nähe von Bonn und dem US-Unternehmen IBM gestartet. Das geht aus Unterlagen der Bundesregierung hervor, die ZEIT ONLINE vorliegen.

Ziel des Vorhabens "WeroQ" sei es, "Wissenserschließung aus offen Quellen" möglich zu machen, heißt es in dem Papier. Noch vor zwei Monaten hatte die Bundesregierung auf Anfrage von Parlamentariern behauptet, soziale Netzwerke würden innerhalb dieses Forschungsprogramms "nicht betrachtet". Diese Aussage stellt sich jetzt als falsch heraus, sie sei bedauerlicherweise durch ein "Büroversehen" zustande gekommen, teilte das Innenministerium mit. 

Das Verteidigungsministerium hat für diese Forschungen zwei Jahre und einen Etat von 1,35 Millionen Euro eingeplant. Bei Erfolg des Projekts würden die Ergebnisse in ein Führungsinformationssystem der Bundeswehr überführt.

Software entscheidet: wertvoller oder wertloser Inhalt

Basis des Vorhabens soll die Geschäftssoftware "IBM Content Analytics" sein, die damit beworben wird, sie würde "über das klassische Business Intelligence (Unternehmensnachrichtendienst, A.d.R.) hinausgehen". Die integrierte Standardlösung helfe Unternehmen, zwischen wertvollen und wertlosen Inhalten zu unterscheiden und ermittele Kundenpräferenzen, teilt IBM auf seiner Internetseite mit. So könne das Programm beispielsweise herausfinden, welche durch eine Steuerbehörde beschlagnahmten Unterlagen entlastend für die Firma seien oder welche Dokumente geschäftskritisch sein könnten.

Vor wenigen Tagen hatten verschiedene Medien berichtet, der deutsche Auslandsgeheimdienst BND lasse an der Auswertung von Blogs, Foren, Twitter, Facebook und Flickr in Echtzeit forschen. 300 Millionen Euro soll das Programm "Echtzeitanalyse von Streaming-Daten" kosten. Es ist auf sechs Jahre angelegt.