Der Mann, der für die AfD Thüringen erobern soll, will erstmal etwas Persönliches loswerden. "Jetzt können Sie mich zitieren", empfiehlt er den Berliner Journalisten. "Höcke sagt", sagt Björn Höcke, "Doppelpunkt, Anführungszeichen unten: Die politische Korrektheit liegt wie Mehltau über unserem Land. Und ich bin angetreten, um diese politische Korrektheit wegzuräumen." Neben ihm lächelt Frauke Petry aus Sachsen unwohl in sich hinein, und Alexander Gauland aus Brandenburg hat sein Gesicht schon längst hinter den Händen vergraben.

Drei Wahlen stehen in den ostdeutschen Bundesländern an, sie sollen der Alternative für Deutschland auch hierzulande zum Durchbruch, zum Einzug in die Parlamente verhelfen. Aus Brüssel ist deshalb Bernd Lucke gekommen, neuer Europaparlamentarier und Parteichef. Er sitzt nun am Rande des Podiums und schaut zu, wie sich seine Kandidaten hier im Haus der Bundespressekonferenz schlagen. Der national denkende Welterklärer Gauland. Die liberale Unternehmerin Petry. Und eben Höcke, der so viel Wert darauf legt, kein normaler Politiker, sondern "ein mündiger Bürger" zu sein. Die drei stehen in ihrer Unterschiedlichkeit für die junge Partei, die Nationalkonservatismus, wirtschaftsliberalen Leistungsethos und die Klartext-Attitüde einer Protestpartei zu verbinden versucht.

Sachsens Spitzenkandidatin Petry, die als stellvertretende Bundessprecherin auf Parteitagen immer mal wieder Säle streitender Männer diszipliniert, spricht verbindlich und bestimmt. Sie will, "dass die Drei-Kind-Familie wieder Standard wird", sie nennt das "aktive Bevölkerungspolitik". In der Wirtschaft müsse "das Leistungsprinzip wieder uneingeschränkt gelten", Subventionen müssten gekürzt und das Steuersystem vereinfacht werden.

Weltpolitik und Brandenburg

Ihr Thüringer Kollege Höcke scheint dagegen vor allem von Wut angetrieben. Auf die Vertreter des "Gender Mainstreaming" zum Beispiel, die über eine "vernunftwidrige Ideologie einen neuen Menschen zu züchten" wollten. Auf die "Altparteien" und eine neue Politikerklassse, "die sich 'den Staat zur Beute' machen will". So steht es im Wahlprogramm der AfD Thüringen, und es ist auffällig, wie sich die Charaktereigenschaften der Spitzenkandidaten auch in der Sprache ihrer jeweiligen Landesverbände wiederfinden. Viel Anti-Establishment-Rhetorik in Thüringen ("bedrängte Meinungsfreiheit", "erstarrte Parteiendemokratie") und das populistische Versprechen einer "faktenorientierten statt ideologiegesteuerten Politik". In Paulys Sachsen hingegen viel "Effizienz", "kostengünstige Alternativen" und "Freiheit". Das Wahlprogramm der brandenburgischen AfD hingegen beginnt schon mit den ganz großen Fragen: "Die Politik der letzten Jahrzehnte hat die westliche Welt wie auch unser Land an die Grenzen der Belastbarkeit und der Funktionsfähigkeit gebracht."

Weltpolitik und Brandenburg: Das passt ganz zu Alexander Gauland, dem inoffiziellen Beauftragten für die ganz großen Zusammenhänge und die historischen Vergleiche. Der Publizist, ehemaliger hessischer Staatssekretär und Leiter der dortigen CDU-Staatskanzlei, leitet schon mal die Annektierung der Krim aus der "Tradition des Einsammelns russischer Erde" ab. Auf der Pressekonferenz in Berlin versuchte er den heutigen Konflikt mit Russland mithilfe des Verbots russischer Staatsanleihen durch die Deutsche Reichsbank 1887 zu erklären. Das hat mit brandenburgischer Landespolitik zwar nichts zu tun, aber es ist nun mal Gaulands eigentliches Thema.