Bundesinnenminister Thomas de Maizière will den Aufklärungsauftrag der deutschen Dienste möglicherweise auf die USA ausweiten. In einem Papier des Ministeriums, das der Bild-Zeitung vorliegt, sei von der "Planung von Gegenmaßnahmen" die Rede. Dies solle vor allem die Kommunikationsüberwachung betreffen. In einer internen Runde habe der CDU-Politiker gesagt, es sei nötig, einen "360-Grad-Blick" zu bekommen. Damit würden auch verbündete Staaten wie die USA oder Großbritannien und Frankreich in den Fokus rücken. Bisher werden Nato-Partner von Deutschland nicht ausspioniert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich beunruhigt über den Spionagevorwurf gegen einen BND-Mitarbeiter. Sie sagte, sollte sich dessen Kooperation mit dem US-Geheimdienst bewahrheiten, "handelt sich das um einen sehr ernsthaften Vorgang".  Dies wäre ein Vertrauensbruch des US-Geheimdienstes und stünde in einem klaren Widerspruch zu ihrer Auffassung von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Der Generalbundesanwalt prüfe den Vorfall.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, sei dies ein Vorgang "bei dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann". Das weitere Vorgehen hänge von den weiteren Erkenntnissen der Ermittlungen ab. Zugleich forderte er die USA auf, sich "mit ihren Möglichkeiten" an der Aufklärung zu beteiligen.

Vermeintliche Verbündete stärker in den Fokus nehmen

Unterstützung für eine Kehrtwende in der deutschen Geheimdienstpraxis kommt laut Bild aus der Union. "Der Fall des BND-Agenten zeigt: Wir müssen auch unsere vermeintlichen Verbündeten stärker im Fokus haben", sagte Stephan Mayer (CSU), innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch einen 31-jährigen BND-Mitarbeiter festnehmen lassen. Er hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gestanden, über einen Zeitraum von zwei Jahren 218 Dokumente an US-Geheimdienste weitergeleitet und 25.000 Euro dafür kassiert zu haben.