Das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen ist heute eine Gedenkstätte. © Sören Stache/dpa

Die DDR hat über Jahrzehnte systematisch Häftlinge als Zwangsarbeiter im mitteldeutschen Chemiedreieck eingesetzt. Das geht nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung aus einer Studie über Zwangsarbeit in der DDR hervor.
Nach den Recherchen der Wissenschaftler Christian Sachse und Justus Vesting mussten die Strafgefangenen, sowohl Kriminelle als auch politische Häftlinge, ohne Vorbereitung und Ausbildung in der chemischen Industrie die gesundheitsgefährdendsten Arbeiten verrichten. Die Historiker erforschten unter anderem Fälle aus dem damaligen Chemiekombinat Bitterfeld und aus Buna. Die Arbeiter seien nach den Erkenntnissen der Studie hochgiftigen Quecksilberdämpfen und Chlorgasen sowie ätzenden Laugen ausgesetzt gewesen, sagte Justus Vesting der Zeitung.

Die Gefangenen seien dort als Zwangsarbeiter eingesetzt worden, wo andere Beschäftigte nicht mehr hätten arbeiten wollen. "In vielen Industriebereichen waren schlechte Arbeitsbedingungen eine Begleiterscheinung. In der Chemie waren sie ein Grund, Häftlinge einzusetzen", sagte Vesting dem Blatt weiter. Die erste Arbeit Vestings über die Zwangsarbeit von Häftlingen publizierte er bereits im Jahr 2012.