Soll die Bundesregierung bewaffnete Drohnen anschaffen? Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen legte sich am gestrigen Mittwoch im Bundestag fest – und sprach sich für den Kauf aus. Es ist die richtige Entscheidung. Die Bundesregierung sollte nicht nur Kampfdrohnen ins Bundeswehr-Arsenal stellen – sie muss es sogar; allerdings zu einem anderen Zweck als dem, der Drohnen so berüchtigt gemacht hat.

Jede Waffe kann als Mordwaffe eingesetzt werden. Genau das tut die US-Regierung mit den Drohnen-Modellen Reaper, dem Sensenmann, und Predator, dem Raubtier. Drohnen zur Hinrichtung mutmaßlicher Terroristen um die Erde zu schicken ist ein ebenso fundamentaler Rechtsbruch wie es Internierungen auf Guantánamo, Verhöre unter Folter und andere Exzesse sind, die Amerika sich im war on terror leistet.

Die Bundesregierung hat glücklicherweise nichts von all dem je getan, noch will oder dürfte sie es plötzlich. Sie ringt sich mit der Forderung nach bewaffneten Drohnen lediglich zum gebotenen Realismus durch: Deutsche Soldaten können auch in Zukunft in Kriege geraten. Und wenn dies geschieht, schulden ihnen die Politiker, die sie entsenden, bestmöglichen Schutz.

Neben der Fürsorge für die Soldaten gebietet auch das Völkerrecht, Kampfdrohnen ins Arsenal zu nehmen. Wie das? Für jede Kriegspartei gilt das Minimierungsgebot, das heißt, von allen Gefechtsmethoden muss stets jene benutzt werden, die neben dem militärischen Ziel möglichst wenige andere Schäden anrichtet. Waffen wie Giftgas oder Bakterien sind deshalb geächtet. Für Drohnen dasselbe zu fordern, dafür besteht kein Grund. Ganz im Gegenteil.

Ja, natürlich können auch Raketen, die von Drohnen aus abgefeuert werden, Unschuldige töten, sie tun das immer wieder. Wer ihren Einsatz aber deshalb verbieten will, muss erst recht Kampfflugzeuge bannen. Andersherum gedacht: Wenn Bundeswehrsoldaten schon in Lagen geraten, in denen sie Luftunterstützung benötigen, dann sollte diese so schnell wie möglich bei ihnen sein und so präzise wie möglich treffen. Im Afghanistan-Einsatz waren pausenlos Kampfjets der Nato am Himmel, trotzdem konnten Soldaten, die in einen Taliban-Hinterhalt gerieten, schon ums Leben gekommen sein, bevor die Flugzeuge eintrafen. Drohnen können Soldaten ununterbrochen begleiten, lebensgefährliche Verzögerungen treten nicht mehr auf, mehr noch, Hinterhalte oder Bombenfallen könnten aus der Luft entdeckt werden, bevor es überhaupt zu Opfern kommt. Für diese Modernisierung zu sorgen ist umso dringlicher, als niemand weiß, ob für den nächsten Bundeswehr-Einsatz überhaupt irgendwer Kampfjets bereitstellen kann.

Bloß keine Selbstschussanlagen

Wenig überzeugend ist das Argument, die Hemmschwelle vor dem Feuern würde sinken, sobald per Joystick und Monitor getötet werden kann. Ein Jetpilot hat auch kein persönliches Verhältnis zum Ziel, in seinem Fall kommen bloß noch Anspannung, Adrenalin und die sinkende Tankanzeige hinzu – alles eher ungünstig fürs Mitgefühl. Räumliche Distanz bremst eine Enthemmung womöglich sogar; schließlich entstehen Rachegelüste am ehesten aus erlebter Todesangst. Im Irakkrieg haben Kampfhubschrauber-Besatzungen unbewaffnete und zum Teil verletzte Menschen im Blutrausch erschossen. Im Funkverkehr hieß es: "Schau dir die toten Bastarde an." – "Ja. Schön."

Was aber, wenn eine kommende Generation von Drohnen autonom agiert, also ihre Ziele eigenständig sucht? Killerroboter, die biometrische Steckbriefe abarbeiten, könnten demnächst über die Welt schweben, warnen Kritiker. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch weist seit einiger Zeit auf bedenkliche Entwicklungen dieser Technik hin. Im Berliner Verteidigungsministerium finden sie einen Verbündeten: Es schließt "jeden Waffengebrauch alleine aufgrund einer Computer- oder Maschinenlogik" kategorisch aus. Gut so. Selbstschussanlagen gab es in Deutschland schon einmal, zu Recht lösten sie Empörung aus. Denkbar ist heute allerdings, dass Maschinen Kriegsverbrechen verhindern. Waffen, glauben Robotik-Forscher, könnten sich so programmieren lassen, dass sie Affekthandlungen blockieren – etwa indem sie Schüsse auf Verletzte oder Unbewaffnete verweigern. Krieg wird nie human sein. Doch könnte man ihn nicht weniger inhuman machen?