Trotz verfassungsrechtlicher Bedenken hat Bundespräsident Joachim Gauck das Gesetz über die Diätenerhöhung für die Bundestagsabgeordneten unterzeichnet. Die Bedenken seien nicht so tiefgreifend, dass sie den Bundespräsidenten an einer Ausfertigung gehindert hätten, teilte das Bundespräsidialamt mit. Damit können die Diäten wie geplant in zwei Stufen steigen: von bisher 8.252 auf 8.667 Euro im Monat und Anfang kommenden Jahres dann weiter auf 9.082 Euro.

Gauck hatte das Gesetz zunächst nicht unterschrieben, sondern sondern intensiv auf Übereinstimmung mit dem Grundgesetz und den verfassungsgerichtlichen Vorgaben zur Abgeordnetenentschädigung geprüft, so das Präsidialamt. Dass der Bundespräsident ein Gesetz stoppt, ist sehr selten.

Nähere Angaben über die Bedenken wollte die Sprecherin des Bundespräsidenten nicht machen. Während sich etwa die Linke und die FDP an der Höhe der Anhebung bis 2015 gestört hatten, standen bei anderen Kritikern ein geplanter Automatismus und Zuschläge im Fokus. Hintergrund war die Frage, ob es wegen der enthaltenen Koppelung der zukünftigen Diäten-Erhöhungen an die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung im Land überhaupt mit der Verfassung vereinbar ist. Ein solcher Automatismus ist für die Zeit ab 2016 vorgesehen und soll immer neue Verhandlungen um die Diäten überflüssig machen. 

Dann sollen die Diäten jeweils zum 1. Juli auf der Basis der vom Statistischen Bundesamt berechneten Verdienstentwicklung in Deutschland steigen. Von der nächsten Legislaturperiode an soll der Bundestag über die Beibehaltung der automatischen Erhöhung abstimmen. Abstimmungen über jede einzelne Erhöhung sollen damit entfallen. Kritiker halten dieses Verfahren für nicht ausreichend transparent.

Künftig sollen Vorsitzende von Ausschüssen, Untersuchungsausschüssen und Enquete-Kommissionen zudem eine Zulage von 15 Prozent der Diäten erhalten. Bisher bekamen nur der Bundestagspräsident und seine Stellvertreter Amtszulagen. Gekürzt werden soll bei den Pensionen. Der Höchstsatz soll von 67,5 Prozent der Diät nach 27 Mandatsjahren auf 65 Prozent sinken. Die Möglichkeit des Pensionseintritts mit 57 Jahren soll abgeschafft werden. Abgeordnete sollen von der kommenden Legislaturperiode an frühestens mit 63 in Pension gehen können.