Bei der Verteidigung der letzten FDP-Regierungsbeteiligung grenzen Sachsens Liberale sich von der Bundespartei ab. Gemeinsame Auftritte mit Parteichef Christian Lindner oder anderen prominenten Vertretern sind selbst in der Endphase des Wahlkampfs nicht geplant, wie der FDP-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Holger Zastrow im Handelsblatt Online bekräftigte. Ähnlich hatte er es schon zum Wahlkampfauftakt Mitte Juli in Radebeuk bei Dresden gesagt. Die Bundes-FDP habe den Absturz unter die Fünfprozenthürde allein zu verschulden, weil sie einen zu sozialliberalen Kurs eingeschlagen hätte. Zudem stünden Lindner oder Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki in Sachsen nicht zur Wahl. 

Sachsens FDP wolle "mit unserer sächsischen Leistungsbilanz, unserem sächsischen Programm und unseren sächsischen Kandidaten punkten", sagte Kubicki. Die Bundes-FDP habe "vollstes Verständnis" dafür, dass sie in Sachsen keine Rolle spielen soll. Zum Wahlkampfauftakt hatte es geheißen, es gehe um nichts weniger, "als mit einem Klasse-Ergebnis die Wende für die Liberalen bundesweit einzuläuten und die schwarz-gelbe Bastion Sachsen zu verteidigen".    

Am Montag wollen die Liberalen in die heiße Wahlkampfphase starten. Mit dem Team Zastrow geht die Landes-FDP fünf Wochen lang auf Sommertour – mit mehr als 70 Stationen. Das seien so viele Termine wie noch nie bei einem Wahlkampf der Partei in dem Bundesland, sagte Zastrow.

Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem die FDP noch regiert. Neben dem Landeschef tragen Wirtschaftsminister Sven Morlok und Justizminister Jürgen Martens Regierungsverantwortung – Morlok ist als stellvertretender Ministerpräsident Deutschlands ranghöchster Liberaler. Im Bundestag ist die FDP seit letztem Jahr nicht mehr vertreten. 

Die Wähler in Sachsen sollen am 31. August entscheiden, ob die Landeskoalition aus CDU und FDP fortgesetzt werden kann. Zastrow steht im Wahlkampf vor einer schweren Aufgabe: Die FDP hatte bei Europa- und Bundestagswahl viele Wähler an die AfD verloren, die Umfragen zufolge bei sieben Prozent steht. Die Liberalen dagegen könnten an der Fünfprozenthürde scheitern.