"Lasst mich eins sagen", begann Frauke Petry am Sonntagabend, als sie mit einem Blumenstrauß in der Hand auf der Bühne stand und die zehn Prozent für die AfD in Sachsen feierte. "Die AfD ist angekommen. Sie ist in Sachsen angekommen, aber noch viel wichtiger: Sie ist in Deutschland angekommen."

Vieles spricht dafür, dass die AfD-Landesvorsitzende Recht hat. Und dafür, dass die Hoffnung der etablierten Parteien sich nicht erfüllen wird, die AfD würde sich bald, so wie einst die Piratenpartei, selbst zerlegen. Insbesondere die CDU will dies noch nicht wahrhaben. Peter Tauber, als Generalsekretär qua Amt für Gegnerbeobachtung zuständig, sagte über die AfD: "Ich glaube, dass sie auf Dauer den Weg der Piraten gehen und verschwinden wird." Auch Angela Merkel verglich die neue Partei immer wieder mit den Piraten, die 2011 bundesweit bei spektakulären 13 Prozent standen und nun unter die Relevanz- und Messbarkeitsschwelle abgestürzt sind.

Die AfD aber ist stabiler als die Piratenpartei. Es gibt gleich mehrere gute Gründe, warum sie den anderen Parteien dauerhaft Konkurrenz machen wird.

1) Die AfD ist keine Ein-Themen-Partei mehr

Als sich die AfD im Frühjahr 2013 gründete, war ihr Kampf gegen die Eurorettungs-Politik ihr einziges Thema. Nun mischt die Partei immer neue Zutaten in ihr Programm: Drei-Kind-Politik, Panikmache vor Ausländerkriminalität, ein wenig ganz grundsätzliche Kritik am Islam und das Versprechen, das Volk jetzt wirklich mitreden zu lassen. Man kann das krude finden, und der jüngste Streit um die Russlandpolitik zeigt, dass da lange nicht alles zusammenpasst. Doch dass die Ergebnisse sogar immer besser werden, obwohl das Thema Eurorettung weder von den Medien noch der AfD selbst weiter groß beachtet wird, zeigt, dass die Verbreiterung gelingt. Die Piraten schmierten längst ab in den Umfragen, als sie sich endlich auch über andere Themen als Internet und Mitbestimmung Gedanken machten.

2) Es gibt ein AfD-Milieu

Von Anfang an hatten viele Anhänger der AfD mehr gemein als die Wut auf den Euro und die Rettungspolitik: das konservative Milieu. Für die Positionen der Partei gibt es Platz in Deutschland. Indem Merkel die Union modernisiert und weiter in die Mitte gerückt hat, vor allem in der Gesellschaftspolitik, hat sie das erzkonservative Klientel verärgert und teilweise vergrault. Wer heute gegen Homo-Ehe und gegen "zu viel" Einwanderung ist, eher für mehr Polizei als für bessere Prävention kämpft, wer den Islam irgendwie für bedrohlich hält und den christlichen Glauben für bedroht, der wird sich bei Parteichef Bernd Lucke, Petry und ihren Mitstreitern eher zu Hause fühlen als in der CDU. Und Umfragen zeigen, dass es genug solcher Leute gibt. Die Piraten haben bis heute kein Milieu gefunden, sondern sind grob gesagt in einen linken und einen liberalen Flügel zerfallen.

3) Die AfD will die Welt nicht neu erfinden

Ein großer Unterschied zur Piratenpartei ist, dass die AfD einfach weniger will. Sie will kein neues "Betriebssystem" für die Politik schreiben. Sie will, um im Bild zu bleiben, nur ihr altes Windows 95 zurück. Ganz gleich, ob man das nun bescheiden findet oder reaktionär, sicher ist: Wer nicht groß von der Zukunft träumt, enttäuscht auch seine Anhänger nicht so leicht, wenn er daran scheitert.   

4) Die AfD hat funktionierende Hierarchien

Jede neue Partei zieht Spinner an oder auch nur viele unterschiedliche Menschen mit vielen unterschiedlichen Wünschen. All dies führt zu Diskussionen und Streit. Auch in der AfD toben wilde Streitereien, aber das sind eher die normalen Schmerzen im Reifungsprozess einer jungen Partei. 

Der Streit bei den Piraten war dagegen selbstzerstörerisch. Denunzianten wurden nie konsequent isoliert, für viele Mitglieder waren Kleinkriege im Internet anziehender als inhaltliche politische Arbeit. Niemandem wurde die Autorität zugestanden, Diskussionen zu beenden und einen einmal eingeschlagenen Kurs auch beizubehalten. Die AfD und die meisten ihrer Wähler hingegen haben kein Problem mit Hierarchien. Auch wenn sie immer wieder von Mitbestimmung und Basisdemokratie reden: Geführt wird die Partei letztlich von einer recht kleinen Gruppe um Lucke, Petry und einigen anderen.