Die Alternative für Deutschland (AfD) streitet kurz vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland über die Russland-Politik. Ausgelöst wurde die Kontroverse durch ein Interview, das Parteivize Alexander Gauland, der auch Spitzenkandidat für die Wahl in Brandenburg ist, der rechten Zeitung Junge Freiheit gegeben hatte. Darin kritisierte er Parteichef Bernd Lucke wegen dessen Haltung im Ukraine-Russland-Konflikt. Lucke hatte gemeinsam mit anderen Europaabgeordneten einer russlandkritischen Resolution des Europaparlaments zugestimmt.

Daraufhin warnte Gauland vor einer Spaltung der AfD: "Ich halte die Abstimmung für völlig falsch und empfinde sie als sehr unloyal gegenüber der Parteibasis", sagte er und verwies auf den Beschluss des AfD-Parteitags in Erfurt, wonach die AfD Sanktionen gegen Russland ablehnt. Er sei über das Votum im Europaparlament so verärgert, dass er kurzzeitig überlegt habe, die Spitzenkandidatur für Brandenburg niederzulegen, sagte Gauland. "Ich wollte meinen Verband dann aber nicht so wenige Wochen vor der Wahl im Stich lassen."

Gauland sagte, dass es in Zukunft zu ähnlichen Situationen kommen könnte. Sollten beispielsweise die Europa-Abgeordneten der AfD für das Freihandelsabkommen mit den USA oder den Beitritt der Türkei zur EU stimmen, hätte die Partei ein "sehr ernstes Problem", weil das zu einer Spaltung der AfD führen könnte – "und die kann keiner von uns wollen".

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen hat die AfD Umfragen zufolge erstmals die Chance, in deutsche Landesparlamente einzuziehen. Besonders für die Wahl in Sachsen am 31. August deuten Umfragen einen Erfolg der AfD an. In Brandenburg und Thüringen wird am 14. September gewählt.