Wie soll die CDU mit den Wahlerfolgen der AfD umgehen? Zumindest die Parteivorsitzende Angela Merkel hat darauf ihre Antwort schon gefunden: "Gute Regierungsarbeit" sei das wirkungsvollste Mittel, um die Konkurrenz von rechts zu bekämpfen, wiederholt sie, wo sie geht und steht. Im Übrigen empfiehlt sie ihrer Partei vor allem eines: Gelassenheit.

Doch mit dieser Tugend ist es zumindest in Teilen der Union vorbei, seit die AfD gleich in drei Landtage im Osten einzog – in Brandenburg und Thüringen sogar mit zweistelligen Ergebnissen.

Der konservative Berliner Kreis in der CDU hat prompt ein Manifest zum Umgang mit der AfD verfasst. Die Union habe im wertkonservativen bürgerlichen Milieu in den vergangenen Jahren an Anziehungskraft verloren, beklagen die Unterzeichner darin. Sie sehen darin eine der Ursachen für die Erfolge der nationalkonservativen Konkurrenz.

Konservative Wurzel pflegen

Auch die CSU-Initiative Konservativer Aufbruch verlangt, die Union müsse das "Vakuum schließen, in das die AfD ohne Gegenwehr vorstößt". Andere äußern sich zurückhaltender; doch dass es in Zukunft nicht mehr ausreichen wird, die AfD einfach zu ignorieren, wie dies von der CDU-Spitze lange Zeit als Strategie ausgegeben wurde, scheint mittlerweile Konsens zu sein.

Hinter all diesen Äußerungen steckt vor allem eine Angst: Die AfD könnte sich weiter ausbreiten und das bürgerliche Lager könnte sich dauerhaft genau so zersplitten wie dies auf der linken Seite des Parteienspektrums schon lange geschehen ist. Vor Augen hat die CDU den Koalitionspartner SPD, dem es auch mit bester Regierungsarbeit nicht gelingt, in Umfragen sich wenigstens der 30-Prozent-Marke zu nähern. Wenn sich in Bayern neben den Freien Wählern auch noch die AfD etabliere, werde es selbst für die CSU schwierig werden, auch nur auf 40 Prozent zu kommen, von "50 plus X", der alten Zielmarke, zu schweigen, warnt Finanzminister Markus Söder.

Die Lösung erscheint manchen in der Partei einfach. Die "konservative Wurzel" müsse gestärkt werden, heißt es in dem Manifest des Berliner Kreises. Doch wie immer bei solchen Debatten, von denen es in den vergangenen Jahren schon mehrere gab, vermeiden es die Kritiker, diesen Appell mit konkreten Inhalten zu versehen, was denn konservative Politik heute bedeuten soll. Solange das so bleibt, dürfte die Wirkung derartiger Äußerungen gering bleiben.

AfD strategisch im Vorteil

Die Wahrheit ist nämlich: Hinter den politischen Wandel, den die CDU unter der Ägide von Angela Merkel zum Beispiel mit der Energiewende, in der Familienpolitik oder beim Umgang mit Migranten vollzogen hat, kann die die Partei nicht zurück. Denn diese Neuausrichtung spiegelt gesellschaftliche Veränderungen, die auch die Mehrheit der CDU-Anhänger vollzogen hat. Diese veränderten Positionen wieder aufzugeben, hieße, auf deren anderen Seite Wähler zu verlieren.

Doch selbst wenn die Union künftig ihre Tonlage in einigen Punkten verändern würde: Gegenüber der AfD bliebe sie – genau wie alle anderen etablierten Parteien – immer im Nachteil. Denn anders als Parteien, die im Bund oder in den Ländern Regierungsverantwortung tragen, muss die AfD, solange sie nur Opposition betreibt, niemals nachweisen, dass sich ihre Ideen auch umsetzen ließen. Das ändert sich durch ihren Einzug in drei Landtage nicht grundsätzlich. Die Hoffnung, die politische Praxisarbeit werde die AfD schnell entzaubern, scheint deswegen ziemlich verfrüht.

Und auch wenn die Union sich wieder konservativer gäbe, würde das wiederum nur die AfD beflügeln. Denn das wäre für sie nur die Bestätigung, dass sie mit ihren Forderungen nach mehr Sicherheit, der Ablehnung alternativer Lebensformen und der europäischen Einigung recht habe. Im Zweifel, dass wissen Wahlforscher, wählen unzufriedene Wähler lieber das radikale Original, nicht die, die ihnen hinterherlaufen. Das musste die SPD auf der anderen Seite schon im Wettlauf mit der Linkspartei bitter erleben.

Die Union – und alle anderen – werden sich also wohl damit abfinden müssen, dass es im Umgang mit der AfD keine schnelle, erfolgversprechende Lösung gibt, auch wenn Ignorieren sicherlich die falsche Strategie ist. Alle Parteien sind gefragt, sich mit den Positionen der AfD auseinanderzusetzen und deren Schwächen offensiv aufzudecken. Schnelle Erfolge sind davon nicht zu erwarten. Doch einen besseren Weg gibt es nicht.