ZEIT ONLINE: Herr Gauland, Sie waren 40 Jahre CDU-Mitglied, wie viele Wähler der AfD. Ist die Alternative für Deutschland einfach nur die CDU von gestern?

Alexander Gauland: Viele unserer Wähler kommen auch von anderen Parteien. Aber es stimmt, dass wir enttäuscht von der CDU sind. Die Partei hat sich von den Maastrichter Stabilitätskriterien verabschiedet. Auch die Art, wie die Wehrpflicht abgeschafft und der Atomausstieg beschlossen wurde, war nicht richtig. Das waren mal Kernüberzeugungen der CDU. Mit einer großen Lässigkeit wurden da Dinge, die früher heilig waren, einfach weggekippt wie Spülwasser.

ZEIT ONLINE: Die AfD hat also die bessere Debattenkultur als die CDU?

Gauland: Wir haben zumindest überhaupt eine Debattenkultur!

ZEIT ONLINE: Sie sind Spitzenkandidat in Brandenburg. Spielt das Identifikationsthema Ihrer Partei, die Eurorettung, im aktuellen Wahlkampf überhaupt eine Rolle?

Gauland: Nein, überhaupt nicht. Da geht es um innere Sicherheit, den Flughafen, Asylbewerber, Zuwanderer. Und Russland. Das ist auf der Straße erstaunlicherweise wichtig.

ZEIT ONLINE: In Brandenburg umschmeicheln Sie nun mit Briefen ausgerechnet die Linkspartei, sprechen von einer möglichen "punktuellen Zusammenarbeit". Wie soll die aussehen?

Gauland: Ich umschmeichle die Linkspartei nicht, ich werbe um ihre Wähler.

ZEIT ONLINE: Sie schreiben: "Also werfen Sie Ihr Herz über die Hürde und wählen Sie eine Partei, die mit gesundem Menschenverstand die Probleme des Landes anpacken will."

Gauland: Wir haben auch Briefe an CDU-, FDP- und Grünen-Wähler auf unsere Internetseite gestellt. Aber es stimmt, dass zum Beispiel Sahra Wagenknecht in Fragen der Euro-Politik ganz ähnliche Positionen wie wir vertritt. Wenn es zu solchen Themen, bei denen wir uns nahe sind, zu Abstimmungen kommen sollte, habe ich kein Problem damit, auch mit der Linkspartei zusammen zu stimmen. Wir können Vorschläge nicht ablehnen, nur weil sie von den Linken kommen. Eine Koalition oder ähnliches kommt aber überhaupt nicht infrage, dafür sind unsere Gesellschaftsbilder zu unterschiedlich.

ZEIT ONLINE: Sie haben in einem Interview gesagt, Ausländer, die hier leben und nicht in die deutschen Sozialkassen eingezahlt haben, sollten Sozialhilfe aus ihrem Heimatland beziehen.

Gauland: Es kann nicht sein, dass Menschen hierher kommen, die genau wissen, dass sie hier keine Arbeit finden und dann Geld aus Kassen bekommen, in die sie nie eingezahlt haben. Ich finde es auch nicht richtig, dass Leute, die nur hierher kommen, um von Sozialhilfe zu leben, Kindergeld nach deutschem Recht bekommen. Zumal wir noch nicht mal sicher wissen, ob diese Kinder in den Heimatländern existieren.

ZEIT ONLINE: Aber solche Fälle gibt es doch kaum.

Gauland: In manchen westdeutschen Großstädten offenbar schon und die Menschen haben das Gefühl, dass das ungerecht ist.

ZEIT ONLINE: Wenn es nach Ihnen geht, sollten nur Leute nach Deutschland kommen, die "so wie wir hier arbeiten, das auch können oder es gelernt haben". Das heißt, Einwanderung aus vermeintlich fremden Kulturen sollte unterbunden werden?

Gauland: Es geht darum, dass diese Menschen Deutsche werden wollen, sich unseren Lebensverhältnissen anpassen können, unsere Sprache sprechen. In Berlin oder in Frankfurt gibt es Problemzonen, in denen Menschen wohnen, die aus Kulturen kommen, die für Deutschland wenig bis nicht geeignet sind.

ZEIT ONLINE: Also generell keine Zuwanderung aus islamischen Ländern, dem Nahen oder Mittleren Osten?

Gauland: Das hab ich nie gesagt. Aber es fällt ja auf, dass Menschen aus Südostasien zum Beispiel weniger Probleme haben, sich anzupassen. Wir sollten, ähnlich wie Kanada das tut, im Vorhinein klären, ob diejenigen, die zu uns kommen wollen, etwas beizutragen haben.

ZEIT ONLINE: Es tauchen immer wieder personelle Verbindungen auf zwischen AfD und rechtsextremen Gruppen.

Gauland: Das stört mich natürlich, weil es nicht gut ist für unsere Partei. Aber es ist nun mal so: Wenn Sie eine neue Partei gründen, kommen auch die Spinner. Das war auch bei den Grünen und den Piraten so. Wir haben klare Regeln, frühere NPD- und DVU-Mitglieder werden nicht aufgenommen oder ausgeschlossen, wenn sie uns belogen haben. Es kann schon sein, dass Menschen, die sich im politisch rechten Spektrum heimatlos fühlen, auch bei uns landen.