Bernd Lucke (mitte), Alexander Gauland (rechts) und Hans-Olaf Henkel (links) feiern das Wahlergebnis der AfD in Potsdam. © Hannibal Hanschke/Reuters

Bernd Lucke erzählt sehr gerne über seine AfD, dass sie nicht rechts sei, dafür aber eine Volkspartei. Nach den spektakulären Siegen bei den Wahlen in Brandenburg und Thüringen aber ist klar, dass beides so nicht stimmt. Ihre 22 neuen Abgeordneten vertreten rechte politische Positionen. Und gerade im Osten hat die Partei eher noch die Mitgliederzahlen einer Klein- statt einer Volkspartei, was wiederum die Auswahl der Kandidaten für die Parlamente einschränkt.

19.000 Wähler sind in Brandenburg von den Linken zur AfD gewechselt. Der dortige Spitzenkandidat Alexander Gauland deutete es, wie Lucke auch, als Zeichen dafür, selbst programmatisch nicht rechts der Mitte zu stehen. Zum einen aber kann eine Partei rechts sein, auch wenn sie Menschen anzieht, die vorher eine linke Partei gewählt haben.  Entscheidend für die Verortung sind die Inhalte, und die sind bei der AfD deutlich rechts. Zum anderen ist die Linkspartei im Osten viel weniger links als im Westen, vielerorts eher eine strukturell konservative Volks- und Regionalpartei.

Das lässt sich gut erkennen an der Personalie Jörg Henke. Die Linkspartei nominierte ihn vor einigen Jahren als sogenannten berufenen Bürger, um in den Ausschüssen der kleinen thüringischen Gemeinde Crossen mitzumachen. Mittlerweile ist er dort stellvertretender Bürgermeister – und AfD-Mitglied. Am Sonntag zog Henke gar auf Listenplatz sieben in den Landtag ein. Selbst er, bei dem man doch eine linke Einstellung vermuten könnte, sagt deutlich, die AfD sei rechtskonservativ.

Bei den allermeisten der anderen Abgeordneten ist die Frage nach ihrer politischen Verortung noch schneller beantwortet. Da sind zum Beispiel Rainer van Raemdonck und Thomas Jung. Die beiden waren noch 2011 Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der Partei Die Freiheit. Die kümmerte sich vor allem um den Kampf gegen den Islam. Nach Schätzungen hat sie Hunderte Mitglieder an die AfD verloren. Dort wollte Parteichef Lucke sie erst nicht so richtig haben, schließlich passten sie nicht zu seinem Kurs der Mitte. Er verhängte einen Aufnahmestopp – bis auf Einzelfälle. Das war im Oktober 2013. Elf Monate später sitzen zwei ehemals führende Funktionäre der "Freiheit" für die AfD im Potsdamer Landtag.

Gegen Gender, für Sarrazin

Daneben finden sich in der neuen AfD-Fraktion noch ein ehemaliges Mitglied der rechtsextremen Republikaner, eines der FDP und fünf der CDU. Von linken Parteien keine Spur. Dafür ist da noch Steffen Königer, der die Wahlparty in Potsdam moderierte. Er war vier Jahre lang Redakteur der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit und noch davor Mitglied und Direktkandidat beim Bund freier Bürger. Der unterstützte Jörg Haider und seine FPÖ in Österreich und kämpfte gegen die europäische Union.

Was für die formalen Mitgliedschaften gilt, sieht bei den Inhalten ähnlich aus. Wenn die Neu-Abgeordneten sich selbst und ihre politischen Ziele beschreiben, sind am häufigsten verwendeten Worte: gesunder Menschenverstand (der wieder regieren müsse), Altparteien (die nicht mehr eben jenen gesunden Menschenverstand hätten), Genderideologie, Lobbyismus, Eliten (schlecht), Familie, normale Menschen, Mitbestimmung, Sarrazin (gut).