Wieder war es eine Transall-Transportmaschine, die am Boden blieb. Das Bundeswehr-Flugzeug sollte im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika eingesetzt werden. Doch auf Gran Canaria war erst einmal Schluss: Ein technischer Defekt hatte die Maschine zur Zwischenlandung auf der Kanarischen Insel gezwungen. Ein weiteres Transportflugzeug aus Deutschland musste mit Ersatzteilen und Mechanikern an Bord hinterhergeschickt werden, um den gestrandeten Flieger wieder flottzumachen.

Für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kommt der erneute Ausfall einer Transall zur Unzeit. Seit Tagen wird sie für die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr kritisiert, von den Grünen und inzwischen auch vom Koalitionspartner SPD.

Die Transall ist zum Symbol der fehlenden Einsatzbereitschaft der Bundeswehr geworden. Sie stammt aus den 1960er-Jahren und hat eigentlich das Ende ihrer Einsatzzeit erreicht. Zwar hat die Bundeswehr mit dem A400M längst einen Nachfolger bestellt, der bereits 2010 abheben sollte. Doch noch immer wartet die Truppe auf die erste der neuen Maschine. Der Hersteller Airbus hat Probleme bei der Produktion – zudem veränderten die Bestellnationen mehrfach ihre Anforderungen an das Flugzeug. Das führte zu immer neuen Verzögerungen. Die Leidtragenden sind die Soldaten: Die Truppe braucht dringend einen einsatzfähigen Transporter.

Ministerin von der Leyen gibt deshalb auch der Industrie die Schuld am schlechten Ausrüstungsstand der Streitkräfte – und ihren Vorgängern. "Probleme, die sich über Jahre aufgestaut haben, die lassen sich natürlich nicht auf einen Schlag lösen", sagte die Ministerin. Die Mitglieder des Verteidigungsausschusses wollen die CDU-Spitzenpolitikerin aber nicht so leicht aus der Verantwortung lassen.

Von der Leyen lässt Generäle erklären

Fünf Generäle mussten sich in der vergangenen Woche vor dem Verteidigungsausschuss verantworten. Von der Leyen war bei der Fragerunde mit den Inspekteuren der Teilstreitkräfte und weiteren hochrangigen Militärs nicht dabei. Sie war unterwegs in den Nordirak, um Vertreter der Kurden und deutsche Soldaten zu treffen, die Peschmerga-Kämpfer an den aus der Bundesrepublik gelieferten Waffen ausbilden sollen. Doch ein Teil ihres Programmes fiel aus. Denn wegen Flugzeugpannen steckten die deutschen Waffen, die nach Erbil geliefert werden sollten, in Leipzig fest und die Trainer der Bundeswehr in Bulgarien. Damit hat sich Deutschland auf internationaler Bühne erneut lächerlich gemacht. Die Bundeswehr ist für Auslandseinsätze zurzeit kaum bereit. Das Parlament will nun endlich wissen, woran das liegt.

Doch die Antwort darauf wird erst am 6. Oktober gegeben. Dann legen externe Berater einen Bericht vor: Ein Konsortium aus KPMG, P3 Ingenieurgesellschaft und Taylor Wessing untersucht im Auftrag der Ministerin die Risiken von 15 Neuanschaffungen der Bundeswehr. Neue Rüstungstechnik, die noch im "Zulauf" ist, wie es in der Truppe heißt, steht bereits auf dem Prüfstand: Der Kampfjet Eurofighter gehört dazu, die Hubschrauber NH90 und Tiger sowie der A400M.

Kritiker werfen von der Leyen vor, ständig auf Fotoreisen zu sein und sich zu wenig um die Reform des Verteidigungsministeriums und der Bundeswehr zu kümmern. Sie setzte sich nach der Amtsübernahme zunächst vor allem mit sogenannten weichen Themen auseinander: Die Vereinbarung von Familie und Beruf für Soldaten, Kinderbetreuung in Kasernen, Fachkräfterekrutierung auf dem freien Arbeitsmarkt. Den Konservativen in der eigenen Partei ist das suspekt, auch manchem Soldat in der Bundeswehr sind Flugzeuge, die fliegen können, wichtiger als eine funktionierende Kindertagesstätte.

Von der Leyen reagierte auf die Ausrüstungsprobleme nun erwartbar wie zahlreiche Minister vor ihr: Sie forderte mehr Geld für die Bundeswehr. Das Lösen des Ausrüstungsproblems werde "mittelfristig mehr Geld kosten. Das wird sich absehbar auch im Etat niederschlagen". Doch an den finanziellen Mitteln allein liegt es nicht, es ist sogar Geld übrig: Im Einzeletat 2014, in dem die Ausgaben für die Verteidigung stehen, bleibt in diesem Jahr wohl ein hoher Betrag übrig. 2013 nutzte das Verteidigungsministerium rund 1,5 Milliarden Euro nicht.