Die Bundesregierung hält nichts von der Forderung der CSU, angesichts von mehr Flüchtlingen notfalls Grenzkontrollen wieder einzuführen. Dieser Schritt wäre als "ultima ratio" an strenge Auflagen geknüpft und komme nur unter außergewöhnlichen Umständen in Betracht, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Diese Kriterien – etwa die  Bedrohung von Sicherheit und Ordnung – lägen aus Sicht der Bundesregierung nicht vor.

Der Ministeriumssprecher verwies darauf, dass die EU-Innenminister derzeit an einem Maßnahmen arbeiteten, um mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen umzugehen. "Das sind die Dinge, die aus unserer Sicht zunächst abzuarbeiten sind, bevor man dann über weitere Maßnahmen nachdenken sollte", sagte er. Es gehe darum, Schleuser stärker zu bekämpfen und enger mit den Herkunftsstaaten der Flüchtlinge und den Transitstaaten auf ihrem Reiseweg zusammenzuarbeiten. Außerdem müssten die EU-Staaten ihren Verpflichtungen bei der Registrierung von Flüchtlingen nachkommen. Bei ihrem nächsten Treffen Anfang Oktober wollen sich die EU-Innenminister dazu auf Schritte einigen.   

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hatte gesagt, Deutschland müsse angesichts der Flüchtlinge, die über Italien und Österreich kämen, ernsthaft erwägen, diese Entwicklung durch Grenzkontrollen zu stoppen. Die bayerische Landesregierung wirft Italien vor, Flüchtlinge nicht ordnungsgemäß zu registrieren, sondern Richtung Norden weiterzuschicken.

Der Bild-Zeitung hatte Seehofer gesagt: "Italien verstößt klar gegen das Schengenabkommen. Wenn das nicht abgestellt wird, muss Deutschland ernsthaft erwägen, durch Kontrollen an der Grenze diesen Verstoß zu stoppen." Die EU-Länder seien sehr unterschiedlich betroffen, deshalb müssten feste Quoten vereinbart werden. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge in Europa gerecht verteilt werden", forderte er.

Die Mitglieder des Schengenraums dürfen sich eigentlich ohne Grenzkontrollen innerhalb der Mitgliedstaaten bewegen.