Die Thüringer Christdemokraten sondieren in mehrere Richtungen: Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht kündigte an, bei der Suche nach einem Regierungspartner auch um die Grünen zu werben. Damit würde sie ein mögliches Bündnis mit der SPD stabilisieren. Denn die fürs Regieren notwendige Mehrheit im Parlament ist mit einer Stimme denkbar knapp.

Eine schwarz-rot-grüne Regierung wäre auf Landesebene ein Novum. Politikbeobachter bezeichneten die Konstellation bereits als Afghanistan-Koalition – in Anlehnung an die Farben der Nationalflagge. Im Saarland hatte nach 2009 drei Jahre lang eine sogenannte Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen regiert.

Zwar hatte  die CDU bei der Landtagswahl in Thüringen wieder die meisten Stimmen geholt. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis hätten aber sowohl Schwarz-Rot wie auch Rot-Rot-Grün eine Mehrheit von einer Stimme im Landtag. Der von den drei linken Parteien angestrebte Regierungswechsel wäre also grundsätzlich möglich. Die SPD hatte mit knapp 13 Prozent einen starken Verlust verkraften müssen.

Die Thüringer Spitzenkandidatin der Grünen, Anja Siegesmund, ging auf Distanz. "Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, das ein solches Bündnis auf Landesebene trägt", sagte sie auf Nachfrage. Siegesmund verwies darauf, dass Schwarz-Rot auch ohne die Grünen eine Mehrheit hat, auch wenn eine äußerst knappe. "Wir sind nicht der Ersatzspieler, wenn einer auf dem Feld nicht mehr will", sagte sie. Die Grünen hatten sich im Wahlkampf zudem für einen Wechsel an der Regierungsspitze ausgesprochen. Siegesmund sagte, allerdings würden sich die Grünen Gesprächen mit der CDU nicht verschließen.

Auch Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow will SPD und Grüne zu Sondierungsgesprächen einladen. Die SPD hatte angekündigt, die Mitglieder des Landesverbandes nach der Sondierung über die angestrebten Koalitionsverhandlungen entscheiden zu lassen. Die Grünen arbeiten noch am Verfahren der Abstimmung. Das Land steht allgemein vor einer komplizierten Regierungsbildung, die längere Zeit in Anspruch nehmen kann.

Brandenburgs CDU dringt auf Regierungsbeteiligung

Brandenburgs CDU-Vorsitzender Michael Schierack umwarb die SPD. Er argumentierte wie Lieberknecht mit der nötigen Stabilität. "Es wird eine deutlich stabilere Regierung als mit Linken", sagte er. "Angesichts der Aufgaben, die vor uns liegen, ist es sehr wichtig, stabil zu regieren." 

In Brandenburg hat die SPD unter Ministerpräsident Dietmar Woidke die Wahl zwischen einer Koalition mit der zweitplatzierten CDU oder mit dem bisherigen Koalitionspartner Linkspartei. Die hatte aber bei der Landtagswahl einen starken  Verlust an Stimmen erlitten.  

Aufsehen erregte bei den beiden Abstimmungen vom Sonntag auch wieder die rechtspopulistische AfD. Sie zog zweistellig in beide Parlamente ein. Die Parteien analysieren derzeit, warum die AfD ihnen so viele Stimmen abzog. Besonders von CDU und Linken waren viele Wähler zu den Euro-Kritikern gewechselt.  CSU-Chef Horst Seehofer mahnte die Unionsparteien, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. "Der beste Schutz gegen die AfD ist eine gute eigene Politik", sagte er. Es gebe keine Veranlassung, sich von der AfD treiben zu lassen. Er betonte aber: "Das wird mit der AfD schon eine längerfristige Auseinandersetzung." In der CDU hatten bereits konservative Christdemokraten in einem Papier gemahnt, die CDU müsse sich auf ihre Stärken besinnen.

Seehofer warnte die SPD indirekt vor einer Koalition mit der Linkspartei in Thüringen. Er verwies auf eine Verantwortung der Bundes-SPD, "dass wir stabile Verhältnisse im Bundesrat brauchen". Eine Linkskoalition würde den Bundesrat weiter fragmentieren und die notwendige Billigung von Gesetzen erschweren.