Auf ihrem ersten Bundesparteitag kamen am Sonntag die Mitglieder der Neuen Liberalen in Hamburg zusammen, um das Grundsatzprogramm zu verabschieden und einen Bundesvorstand zu wählen. "Sozialer Liberalismus braucht eine Chance", sagte Gründer Najib Karim. Er hatte mit einer Handvoll Mitstreiter am 14. September die Neue Liberale ins Leben gerufen, die sich als Gegenspieler der AfD versteht.

Bei den bisher 250 Mitgliedern der Neuen Liberalen handelt es sich vor allem um ehemalige Mitglieder anderer Parteien – allen voran der FDP. "Wir sind keine Abspaltung der FDP, sondern eine Sammlungsbewegung der sozialliberalen Kräfte in Deutschland", stellte Karim klar. Nicht nur in ihrer Vergangenheit waren viele der Mitglieder parteipolitisch engagiert. Rund 30 Prozent der Mitglieder gehören derzeit nicht nur der Neuen Liberalen an, sondern zudem einer anderen Partei. Etwa die Hälfte ist noch in der FDP, 35 Prozent sind gleichzeitig bei den Piraten. Auch Mitglieder von SPD, Grünen und sonstigen Parteien sind unter den Mitgliedern der Neuen Liberalen. Die meisten Parteien schließen eine Doppelmitgliedschaft aus, einzige Ausnahme waren bisher die Piraten.

Die Frage der Doppelmitgliedschaft sorgte für die erste kontroverse Diskussion über die Satzung der Neuen Liberalen. Am Ende sprachen sich die Anwesenden aber deutlich dafür aus, die Doppelmitgliedschaft zuzulassen – vor allem um die zahlreichen Piraten im Saal nicht zu verprellen.

Gerade die ehemaligen Mitglieder von FDP und Piraten haben hohe Erwartungen an den Neustart einer liberalen Partei in der Bundesrepublik. "Es gibt viele programmatische Schnittmengen zwischen den Piraten und den Neuen Liberalen", sagte Pirat Marius Brey, der extra aus Bayern zum ersten Bundesparteitag nach Hamburg gereist war. "Viele Mitglieder hier haben jedoch mehr Erfahrung, wir können viele Fehler der Piraten vermeiden." Ein Großteil der Piraten im Saal sprach sich dafür aus, beide Parteien zu unterstützen und hielt früher oder später sogar eine Fusion für möglich.

Frauenquote, ja oder nein?

Weniger vielfältig als die politischen Wurzeln der Mitglieder fiel die Geschlechterverteilung auf dem ersten Parteitag aus. Es gab gerade einmal 20 Prozent Frauen. Umso hitziger wurde der Vorschlag des Gründungsvorstands diskutiert, den neuen Vorsitz mit einer Doppelspitze zu gestalten, in der eine Frau fest vorgesehen ist. Nach einem Schlagabtausch über die Notwendigkeit einer Quote sprachen sich die meisten für eine Doppelspitze aus.

Mit deutlicher Mehrheit wurden schließlich Najib Karim und Sylvia Canel, zwei erfahrene Ex-FDP-Politiker, als Bundesvorsitzende gewählt. "Hier ist richtig Druck auf dem Kessel, wir können das schaffen", sagte Sylvia Canel, ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete. Es müsse einen dritten Weg geben, nicht nur die Wahl zwischen Kommunismus und hemmungslosem Kapitalismus. "Der dritte Weg sind wir", ist sich Canel sicher. Karim sagte, die FDP habe zu oft Koalitionen angestrebt und sei dabei zu viele Kompromisse auf Kosten der liberalen Idee eingegangen. Das Ziel sei jedoch gesellschaftlicher Einfluss, nicht Regierungsverantwortung um jeden Preis.

Auf einem gesonderten Programmparteitag sollen die Inhalte der neuen Partei ausführlich diskutiert werden. Dabei bleibt der Neuen Liberalen kaum Zeit. Zumindest wenn eine Kandidatur bei den anstehenden Wahlen in Hamburg und Bremen im Frühjahr 2015 angestrebt wird. Canel und Karim wollen sich jedoch auf den Aufbau der neuen Partei konzentrieren und einem möglichen Hamburger oder auch Bremer Landesverband der Neuen Liberalen bei einer Kandidatur den Rücken stärken – sie selbst stünden dafür jedoch nicht zur Verfügung.